Kampagne: Ein kurzer Kinospot klärt Frauen im Kreis Höxter über die Möglichkeit einer anzeigenunabhängigen Spurensicherung auf

Neue Westfälische vom 14.01.2019
Von Burkhard Battran

Kreis Höxter. Wer in diesen Tagen ins Kino geht, wird dort einen kurzen Werbespot sehen. Eine junge Frau sitzt in der Badewanne und versucht, die Spuren einer Vergewaltigung abzuwaschen. Dann kommt die Gynäkologin Kerstin Todt, Oberärztin am Höxteraner St.-Ansgar-Krankenhaus, ins Bild und rät, die Spuren nicht zu beseitigen, sondern sie im Krankenhaus in Höxter sichern zu lassen.

Seit zwei Jahren gibt es dort die Möglichkeit der so genannten anzeigenunabhängigen Spurensicherung. “Sie gibt Frauen die Möglichkeit, ohne polizeilichen Druck und Anzeigenzwang Beweismittel sicher zu stellen”, erläutert Todt. Vergewaltigung ist ein Straftatsbestand und ein Offizialdelikt. Erhält die Polizei Kenntnis davon, ist sie verpflichtet, Ermittlungen aufzunehmen.

Daten des Opfers werden unter Verschluss gehalten

“Im Krankenhaus sichern wir die Spuren anonym, und die Daten des Opfers werden so lange unter Verschluss gehalten, bis sich die Frau zur Anzeige entschließt. Erst dann werden sie der Polizei zur Verfügung gestellt”, erläutert Frauenärztin Kerstin Todt. Wenn das Krankenhaus die Spuren aufgenommen hat, werden sie mit einem Nummerncode versehen und an die Gerichtsmedizin weitergeleitet. Die dazugehörigen Personendaten verbleiben im Krankenhaus, wo sie der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen, bis das Opfer sich zu einer Anzeige entschließt.

Drei Fälle hat das Krankenhaus in Höxter im vergangenen Jahr aufgenommen, von denen bislang noch keiner angezeigt wurde. Bis zu zehn Jahren hat ein Opfer Bedenkzeit. Erst dann gilt die Tat als verjährt und wird aus den Akten entfernt, die Asservate werden vernichtet. “Wir möchten schon dafür plädieren, die Entscheidung nicht so lange hinauszuzögern. Aber das heißt auch, dass wir den Frauen Hilfe anbieten, wie es weiter gehen kann. Dafür stehen wir den Opfern mit einem großen Netzwerk zur Seite”, betont Helga Niemöller, Leiterin des Frauen- und Kinderschutzhauses Kreis Höxter.

Jede 20. Frau wird vergewaltigt

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. “Jede zehnte Frau erlebt sexualisierte Gewalt, jede 20. Frau wurde schon einmal vergewaltigt”, weiß die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Höxter, Gaby Böker. 70 Prozent aller Fälle passieren im häuslichen Umfeld. Die Dunkelziffer ist hoch. “Nur 13 Prozent aller Fälle kommt überhaupt zur Anzeige”, sagt Böker. Genau in diese Grauzone soll der Kinospot Licht bringen. “Es geht darum, dass Frauen überhaupt erfahren, dass es die Möglichkeit der anonymen Spurensicherung gibt und dass sie im Freundeskreis darüber sprechen”, betont Marion Nawrath, Leiterin der AWO-Beratungsstelle des Kreises.

“Das ist ein wichtiges Thema. So ein Kinospot ist ein gutes Mittel, darauf aufmerksam zu machen”, sagt Kinobetreiberin Maria Dohmann (Kino Borgentreich). “Gerade auch die Zielgruppe jüngerer Frauen lässt sich durch eine Kinowerbung sehr gut erreichen”, erklärt auch Kinobetreiberin Judith Schlinker (Cineplex Warburg).

Infos und Ansprechpartner

Seit Montag läuft der Spot in der Filmwerbung der Kinos im Kreis Höxter in Brakel, Bad Driburg, Borgentreich und Warburg. Finanziert wurde der Spot aus Mitteln des Landesministeriums für Gleichstellung. Das gesamte Jahr soll der Spot gezeigt werden. Begleitend wurde eine Info-Broschüre erstellt, die ausführlich über das Verfahren der anonymen Spurensicherung aufklärt. Dort steht auch drin, dass die Spurensicherung kostenlos ist, dass falls KO-Tropfen im Spiel waren, ein Nachweis nur bis zu zwölf Stunden danach möglich ist.

Ausführliche Informationen zum Verfahren gibt es auch bei der Frauenberatungsstelle der AWO unter Tel. (0160) 93 79 30 30 oder 93 79 30 35, dem Frauenhaus des SkF unter Tel. (01 71) 5 43 01 55 oder der Caritas-Beratungsstelle unter Tel. (0 52 72) 37 14 60.

Wohlfahrtsverbände besuchen Zentrale Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge

Westfalenblatt vom 29./30.12.2018

Höxter/Borgentreich (WB). Die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Kreis Höxter hat die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes in Borgentreich besucht. Sie zeigt sich besorgt über mögliche Folgen der längeren Aufenthaltsdauer für Flüchtlinge in der Einrichtung.

In Gesprächen mit dem stellvertretenden Leiter der ZUE, Herbert Gehrendes, und Dirk Damm, Verfahrensberater der Diakonie Paderborn-Höxter in der ZUE, informierten sich die Vertreter der Wohlfahrtsverbände vor Ort über die Situation der dort lebenden geflüchteten Menschen.

Mit Sorge betrachten sie die Entwicklung, dass Menschen in den Unterbringungseinrichtungen zunehmend länger ausschließlich zum Warten gezwungen sind.

Hintergrund ist der Asylstufenplan der Landesregierung, wonach geflüchtete Menschen ohne Bleibeperspektive beziehungsweise aus sicheren Herkunftsländern bis zu 24 Monate in einer ZUE bleiben müssen, bis sie ausreisen oder abgeschoben werden.

Kaum Kontakt zur deutschen Bevölkerung

Nur Familien mit minderjährigen Kindern sollen ab dem vierten Aufenthaltsmonat Kommunen zugewiesen werden. Alle anderen Flüchtlinge sollen erst nach sechs Monaten (bisher drei) auf die Kommunen verteilt werden. »Vieles in der Umsetzung des Asylstufenplans ist völlig unklar«, betont Wolfgang Kuckuk, Vorstandsvorsitzender des Kreisverbandes Höxter der Arbeiterwohlfahrt.

So gebe es vor Ort Betreuungseinrichtungen für minderjährige Kinder. Die Menschen seien zwar versorgt, aber die erzwungene Untätigkeit und Perspektivlosigkeit fördere nicht die Integration. Sie würden nur das Warten erfahren und bekämen kaum Kontakt zur deutschen Bevölkerung, kritisieren die Wohlfahrtsverbände.

»Je länger das Warten dauert, desto schwieriger wird später die Integration«, ist Kreisgruppengeschäftsführerin Kathrin Jäger (Der Paritätische) überzeugt. Allein 40 Prozent der eingereichten Klagen vor Gerichten gegen mangelhafte Bescheide des Bundesamtes für Migration und Flucht seien erfolgreich. Dann würden erste Schritte der Integration, das Ankommen in der deutschen Gesellschaft und Sprachkenntnisse fehlen und müssten nachgeholt werden.

Menschen müssen lange warten

Aber nicht nur die Integration der Flüchtlinge werde durch die lange Aufenthaltsdauer in den Unterbringungseinrichtungen behindert. »Die Perspektivlosigkeit, die Isolation und der unstrukturierte Tagesablauf zermürben die Menschen und können sie auch krank machen«, sagt Christian Lange, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Höxter.

Das Konzept der Unterbringung sollte überprüft werden, fordern die Wohlfahrtsverbände im Kreis Höxter. »Es ist nicht menschenwürdig, dass die Geflüchteten dazu gezwungen sind, bis zu zwei Jahre nur zu warten«, erklärt Thomas Rudolphi, Vorstand des Caritasverbandes. Ihnen werde dadurch die Möglichkeit genommen, ihre Rechte wahrzunehmen und für sich selbst zu sorgen.

Darüber hinaus fordert die Arbeitsgemeinschaft, dass alle Maßnahmen unternommen werden, um die Integration von Anfang an zu fördern. »Wir brauchen einen Plan für die Integration, der allen in Deutschland lebenden Menschen Teilhabe ermöglicht«, unterstreicht Jutta Vormberg, Vorstand der Diakonie.

»Integration beginnt am ersten Tag.«

»Integration beginnt am ersten Tag«, sind die Vertreter der Wohlfahrtsverbände überzeugt. Deshalb sollte die Landesregierung den Kommunen mehr Mittel für die Integration zur Verfügung stellen, und geflüchtete Menschen müssten wie bisher nach drei Monaten Kommunen zugewiesen werden.

Zurzeit sind in der ZUE nach Angaben der Wohlfahrtsverbände 230 Menschen untergebracht, unter anderem aus der Türkei, dem Iran und Syrien. 44 sind unter 18 Jahre alt. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt aktuell vier Monate.

Von den zwölf Ehrenamtlichen in der ZUE engagiert sich jeder vier bis acht Stunden wöchentlich, etwa in der Kleiderkammer, bei Sprachkursen und in der Kinderbetreuung.

Zonta-Club Höxter spendet Geld an Frauenhaus und Beratungsstelle

Westfalenblatt vom 26.11.2018

Höxter (WB). Die zweite Handtaschenbörse des Zonta-Clubs Höxter hat mit 12.000 Euro Einnahmen ein grandioses Ergebnis erzielt. Den stolzen Betrag hat Präsidentin Ana Maria Castro de Linzner jetzt zusammen mit einigen Mitstreiterinnen des Clubs an das Frauen- und Kinderschutzhaus im Kreis Höxter sowie an die Frauenberatungsstelle der AWO übergeben.

Den beiden Einrichtungen kommt der fünfstellige Betrag zu gleichen Teilen zugute. Die Zonta-Präsidentin dankte all jenen, die zu diesem großartigen Ergebnis beigetragen haben: den Spenderinnen der Taschen, den Kundinnen und Kunden und auch dem Orga-Team des Clubs, das Zeit und Herzblut in diese Benefizaktion investiert hat. Ana Maria Catsro de Linzner: »Von Frauen für Frauen: Es macht Freude, gemeinsam etwas zu bewegen. Die vielen Taschenspenden und die große Kundenresonanz beflügelt uns zur dritten Auflage der Börse beim Huxori-Markt 2019.«

Die Zonta-Präsidentin ist besonders erfreut darüber, dass die Spenden auch in Präventivmaßnahmen investiert werden. »Wir werden zwei Projekte, die bereits laufen, ausbauen«, kündigte Mareike Stöver, die zusammen mit Marion Nawrath die von Zonta mitbegründete Beratungsstelle für von Gewalt bedrohte und betroffene Frauen im Kreis Höxter betreut, bei der Spendenübergabe an. Zu diesen Offensiven gehört ein Sprachkurs für geflüchtete Frauen. »Hier werden auch Themen wie Frauenrechte und häusliche Gewalt angesprochen.« Ein weiterer Teil der Spende fließt in Mädchenkurse für Mädchen im Grundschulalter. Ziel ist es, die Mädchen in ihrer Rollenidentität und ihrem Selbstwertgefühl zu stärken und sie auf diesem Wege gegen Gefahren wie Cybermobbing und Gewalt in Beziehungen zu wappnen.

Ebenso wie das Team der Frauenberatungsstelle ist Helga Niemöller, Leiterin des Frauen- und Kinderschutzhauses, glücklich über die große Spende. »Da vom Land nur eine Basisfinanzierung kommt, sind wir dringend auf Spenden angewiesen«, erläuterte Niemöller. Darum kümmert sich der Förderverein unter dem Vorsitz von Hedwig Mellwig. Das Haus ist zurzeit voll belegt. 18 Kinder leben aktuell gemeinsam mit ihren Müttern im Haus. Begegnungsmöglichkeiten mit anderen Kindern geben ihnen ein Stück Unbeschwertheit zurück. Der Förderverein hilft unter anderem mit Kindersachen und weiterer Ausstattung. Die Spende des Zonta-Clubs kommt dem Frauen- und Kinderschutzhaus gelegen. »Unser Bulli, mit dem wir Frauen zu Behörden fahren, will immer betankt werden. Auch ergänzen wir mit der Spende die Ausstattung für die Frauen und Kinder.«

Die Bekämpfung und Prävention von Gewalt gegen Frauen ist dem Zonta-Club auf internationaler wie auch auf lokaler Ebene ein immerwährendes Anliegen. Seit November 2012 gibt es »Zonta says NO«. Ziel der Kampagne ist es zu zeigen, dass Zonta nicht weg schaut, sondern Nein sagt zu Gewalt gegen Frauen. Für die Region hat der Zonta-Club Höxter die Frauenberatungsstelle der AWO mitbegründet und unterstützt sie mit einem jährlichen Zuschuss von 4000 Euro. Weitere Infos unter www.zonta-hoexter.de.

AWO sucht engagierte, junge Menschen

Die AWO im Kreis Höxter bietet ab dem Sommer 2018 in Bad Driburg, Borgentreich und Steinheim jungen Menschen wieder die Möglichkeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bzw. einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) zu absolvieren.
Die Freiwilligendienste beim AWO-Kreisverband Höxter können vor allen Dingen im pädagogischen Bereich geleistet werden. Die Einsatzbereiche richten sich nach den Interessen der jungen Menschen. Tätigkeitsbereiche sind z. B. vor allen Dingen die pädagogische Arbeit mit Schulkindern bzw. in Spielgruppen für Kinder.
Für die Tätigkeit wird ein monatliches Taschengeld gezahlt. Weitere Sachleistungen sind möglich. Für die Zeit des Freiwilligendienstes besteht eine Sozialversicherungspflicht. Zum FSJ und BFD gehört eine pädagogische Begleitung in Form von Seminaren, die der fachlichen Anleitung und der Persönlichkeitsfindung dienen sollen.
Die AWO sieht die Freiwilligendienste als gute Möglichkeit im pädagogischen Bereich sinnvolle soziale Erfahrungen zu sammeln.
Darüber hinaus stehen Plätze für Praktika im Zusammenhang mit verschiedenen Schulausbildungen (z. B. FOS, Erzieherinnen-Ausbildung) zur Verfügung.

Informationen gibt es beim Kreisverband der AWO in Bad Driburg, Tel. 05253 93 50 210

Der AWO-Kreisverband Höxter verabschiedete bei einem kleinen Sektempfang des Bereiches „Mobiler Sozialer Dienst“ die langjährige Mitarbeiterin Edeltraud Gockel aus der häuslichen Betreuung, die nach 10-jähriger Mitarbeit beim AWO-Kreisverband in den Ruhestand geht.

Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Abteilungsleiterin „Senioren-Pflege, Betreuung und Unterstützung zu Hause“, Aljona Gottfried, bedankte sich bei Frau Gockel mit einem Blumenpräsent und einem Gutschein für ihre Arbeit, die sie im Laufe der Jahre sehr flexibel in den verschiedensten Bereichen und zum Schluss in der Betreuung älterer und psychisch erkrankter Menschen geleistet hat.

Der AWO-Seniorentreff im Begegnungszentrum (Caspar-Heinrich-Straße 15 in Bad Driburg) bietet pro Woche zwei regelmäßige Veran­staltungen an. Ab sofort findet jeden Dienstag »Kaffee und Klönen« mit Ku­chen, Kaffee und kühlen Getränken sowie jeden Donnerstag ein Spielenachmittag mit Kaffee und kühlen Getränken statt. Beide Veranstaltun­gen sind in der Zeit von 14.30 bis 17 Uhr. Auch Interessierte, die noch nicht AWO-Mitglieder sind, können teilnehmen. Bei beiden Veranstaltungen wird ein Unkostenbeitrag vor Ort eingesammelt.
Nähere Informationen bei Nicole Hansel unter Telefon 05253 93 50 216.

Auszeichnung: Die Peckelsheimerin Maria Rose engagiert sich seit vielen Jahren unermüdlich im Ehrenamt.
Jetzt erhielt sie eine der höchsten Verdienstmedaillen des Landes

Peckelsheim. So bescheiden die gebürtige Peckelsheimerin Maria Rose auch stets auftreten mag, ihr unermüdliches ehrenamtliches Wirken ist schon längst kein Geheimnis mehr: 2012 zeichnete die Stadt Willebadessen sie für ihr “außerordentliches Engagement” mit dem Ehrenamtspreis aus; 2016 erhielt sie eine Einladung des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck zum Bürgerfest in den Garten von Schloss Bellevue.

Dabei ist ihr der Trubel um ihre Person reichlich unangenehm. “Daraus mache ich mir überhaupt nichts!”, sagt die 75-Jährige am Montagnachmittag im katholischen Pfarrheim in Peckelsheim, ganz leise und sehr bescheiden wie immer. Sie lächelt und man merkt, sie ist ein wenig aufgeregt. Maria Rose trägt ein elegantes blaues Kleid und eine feine Perlenkette. Großer Bahnhof heute im Pfarrheim.

Denn gleich soll sie erneut ausgezeichnet werden, mit einer der höchsten Anerkennung für Verdienste um das Gemeinwohl, die Bürger in Deutschland überhaupt erhalten können: die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik. Vor drei Wochen kam der Brief per Post. “Ich dachte bloß, Mensch, bin ich schon wieder geblitzt worden??”, erzählt sie und schlägt lachend die Hände vor dem Gesicht zusammen. Der Brief war aber nicht von der Führerscheinstelle. Er kam vom Bundespräsidenten. Was sie bis dahin nicht wusste: Paul Ahrens, AWO-Vorsitzender und Wegbegleiter, hatte sie bereits vor zwei Jahren für diese Auszeichnung vorgeschlagen. Nun hat es geklappt.

60 Gäste sind am Montagnachmittag geladen, die Menschen stehen Schlange am Eingang zum Pfarrheim, um der zierlichen Frau zu gratulieren. Es sind ihre Familie (vier Kinder und Urenkel), Freunde, Mitarbeiter und Wegbegleiter von Maria Rose. Und natürlich die offiziellen Gäste wie Bürgermeister Hans Hermann Bluhm und der stellvertretende Landrat Heinz-Günter Koßmann, der die Medaille und die Urkunde später verleihen wird.

“Jeder kennt Maria und ihre ?Boutique?. Jeder weiß, dass sie stets ein offenes Herz und ein offenes Ohr für Menschen hat, die vielleicht nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen”, sagt Paul Ahrens, AWO-Vorsitzender und treuer Wegbegleiter, in einer sehr persönlichen Rede. “Wenn ich jetzt alles, was Maria geleistet hat, aufzählen würde, käme hier keiner mehr dran”, meint er augenzwinkernd.

»Da hab? ich ihr mein Gartenhaus angeboten«

Eine soziale Ader hatte Maria Rose schon immer. 1982 organisierte sie das erste Nachbarschaftsfest in ihrer Straße; 1992 half sie zum ersten Mal einem Flüchtling: Eva, eine gebürtige Polin, stand mit ihren Kindern quasi auf der Straße. “Da hab ich ihr mein Gartenhaus angeboten. Und die Kinder schliefen bei meinen”, erinnert sie sich. Eine schöne Zeit, schwärmt sie noch heute. Doch hatte auch sie selbst mit Schicksalsschlägen zu kämpfen. Ende 2003 starb ihr Mann. An Weihnachten desselben Jahres fragte Paul Ahrens, ob sie nicht Interesse daran habe, die Leitung der Kleiderstube der AWO in Willebadessen zu übernehmen. Sie zögerte und sagte: “Ich kann das nicht.” Paul Ahrens erwiderte nur: Doch, das kannst du schon.

Unter ihrer Federführung wuchs die Einrichtung mit 12.000 Artikeln zu einer der größten der Region. Seit 13 Jahren leitet sie die Kleiderkammer nun mit ihren zwölf ehrenamtlichen Mitarbeitern, die wöchentlich etwa 100 Säcke an Kleiderspenden sortieren, ausbessern, etikettieren und einräumen. Viele Stunden an ehrenamtlicher Arbeit kommen so zusammen. Auch an den Wochenenden, auch abends. Ebenfalls wirkte sie bei der Gründung der Lebensmittelausgabe “Willebad-Essen-Korb” im März 2008 maßgeblich mit. Seither ist sie hauptverantwortlich für die Organisation der Lebensmittelausgabe. Knapp 100 Haushalte werden regelmäßig einmal im Monat mit gespendeten Lebensmitteln versorgt.

Auch die Organisation des Wohlfühlnachmittags für Alleinstehende geht auf Maria Roses Konto. Einmal im Monat werden in Zusammenarbeit mit den örtlichen Gemeinden der katholischen und der evangelischen Kirche sowie der Arbeiterwohlfahrt gemeinsame Aktivitäten für etwa 60 bis 70 Teilnehmer im Pfarrheim in Peckelsheim vorbereitet.

Am Ende der Verleihung hält Maria Rose schließlich einen Blumenstrauß in den Händen. Die Gäste im Saal stehen auf und applaudieren. “Ohne euch geht nichts!”, sagt sie nur und lächelt.

Bilanz: AWO-Beratungsstellen im Kreis Höxter stellen ihren Jahresbericht für 2017 vor.
In 20 Jahren ist das Team gewachsen, die Angebote noch stärker vernetzt

Neue Westfälische vom 27.04.2018
Von Silke Riethmüller

Bad Driburg. Im Oktober 1997 wurde die Beratungsstelle für Schwangerschaft, Partnerschaft und Sexualität der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gegründet. “Das war damals im Kreis Höxter schon etwas Besonderes, dass es eine solche Beratungsstelle gab”, erinnert sich Kreisgeschäftsführer Wolfgang Kuckuk. In den vergangenen 20 Jahren hat die AWO weitere Beratungsstellen dazubekommen, das Team ist gewachsen, Synergieeffekte sind entstanden, die einzelnen Angebote wurden miteinander vernetzt. “Wir können also inzwischen auf einige Erfahrungen verweisen”, betont Kuckuk.

Im Jahr 2017 führten die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle für Schwangerschaft, Partnerschaft und Sexualität 1.345 Beratungsgespräche. Die Zahl der Ratsuchenden ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Insgesamt hätten 446 Personen (2016: 460) die Hilfe der AWO-Beratungsstellen in Anspruch genommen. Die meisten davon waren Frauen, 26 Ratsuchende waren männlich. 293 waren Deutsche, davon hatten 63 einen Migrationshintergrund. 151 Ratsuchende besaßen eine andere Staatsangehörigkeit.

In der Konfliktberatung wurden 58 Gespräche mit 53 Frauen geführt. Der größte Anteil sei zwischen 27 und 34 Jahren alt gewesen, gefolgt von der Altersgruppe der 22 bis 26-Jährigen. Zwei Klientinnen waren zum Zeitpunkt der Beratung noch minderjährig. Im Vergleich zu 2016 (60 Frauen/64 Beratungsgespräche) war die Schwangerschaftskonfliktberatung im vergangenen Jahr leicht rückläufig. “Als Hauptgründe für einen Schwangerschaftsabbruch wurden von den Frauen eine schwierige körperliche oder psychische Verfassung genannt, gefolgt von einer finanziell sehr schwierigen Lebenssituation”, erklärt Beate Knievel-Boraucke vom Team der AWO-Beratungsstelle in Bad Driburg. Wirtschaftliche Armut spiele also weiterhin eine große Rolle bei der Entscheidung. “Sehr viele Frauen können von der guten wirtschaftlichen Lage in unserem Land nicht profitieren”, bedauert die Diplom-Sozialarbeiterin.

Die Gruppe der alleinerziehenden Mütter sei zudem deutlich größer geworden. Auch im Jahr 2017 sei die Bundesstiftung “Mutter und Kind” daher eine wichtige Hilfe für schwangere Frauen in einer Notsituation gewesen, 134 Schwangere erhielten eine finanzielle Unterstützung aus diesen Mitteln, darunter 33 Flüchtlingsfrauen. Seit November 2015 ist es für Schwangere in Erstaufnahmeeinrichtungen möglich, einen Antrag bei der Bundesstiftung zu stellen. “Auch schwangere Frauen, die in den zugewiesenen Städten ihr Asylverfahren abwarten, können eine finanzielle Unterstützung durch die Stiftung erhalten”, so Isabell Schröder. Die Erziehungswissenschaftlerin ist seit September 2016 mit im Team der Beratungsstelle und berät geflüchtete Frauen in Bad Driburg.

Die durchschnittliche Hilfe betrug 456 Euro. “Im Vergleich zu 2016 wurden im vergangenen Jahr 28 Anträge mehr gestellt”, sagt Diplom-Sozialpädagogin Silke Niggemann-Boffer. Dies zeige, dass immer mehr Schwangere über ein sehr geringes Einkommen verfügen. 42 Frauen erhielten über die AWO zudem Mittel aus dem Familienplanungsfond des Kreises Höxter als Zuschuss für ein Verhütungsmittel, wie Hormonspirale oder die Pille.

Neben der Vermittlung einer finanziellen Unterstützung benötigten aber auch immer mehr Eltern und Familien aufgrund gestiegener Belastungen effektive und längerfristige Begleitung in ihrer ganz speziellen Lebenssituation. “Die Problemlagen sind viel komplexer geworden”, betont Niggemann-Boffer.

Ein immer wichtiger werdendes Thema sei zudem Gewalt gegen Frauen. “Eine Schwangerschaft oder die Geburt eines Kindes können der Auslöser einer Gewaltspirale sein”, weiß Mareike Stöver von der AWO-Frauenberatungsstelle für den Kreis Höxter. Seit Januar 2017 verstärkt die examinierte Hebamme und Sozialpädagogin stundenweise das Team der Schwangerenberatungsstelle. “Es ist also wichtig, dass die Gesellschaft bei diesem Thema noch genauer hinsieht und hinhört”, unterstreicht Stöver.

“Die Teams in unseren Beratungsstellen leisten eine großartige Arbeit”, betont auch AWO-Kreisvorsitzender Paul Arens. Dafür gebühre ihnen ganz besonderer Dank und Anerkennung.

Firmvorbereitung: Rösebecker Jugendliche lernen die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer des Lebensmittelkorbes der AWO in Borgentreich kennen und beschließen, die Ausgabe zu unterstützen

Neue Westfälische vom 13.03.2018

Rösebeck (nw). Im Pastoralverbund Borgentreich setzen sich in der Firmvorbereitung die Jugendlichen der Kirchengemeinden mit ihrem Glauben auseinander “und überlegen, was es heute bedeuten kann, als Christ zu leben”, sagt Gemeindereferentin Anna Mühlberger.

Dabei war es die Idee des Pfarrgemeinderates (PGR) in Rösebeck gewesen, die caritative Perspektive des Christseins in den Fokus zu nehmen. Mit einigen Firmbewerbern aus der Gemeinde wurde gemeinsam überlegt, die Arbeit des Lebensmittelkorbs der AWO in Borgentreich kennenzulernen und zu unterstützen.

Der Borgentreicher Lebensmittelkorb besteht seit fast zehn Jahren. Einmal im Monat werden an einem Freitagnachmittag im evangelischen Gemeindehaus in Borgentreich Lebensmittel an Bedürftige ausgegeben. Die Lebensmittel werden von den umliegenden Geschäften und Händlern (Supermärkte, Hofläden, Molkereien, Bäckereien und Metzgereien) gespendet. Haltbare Lebensmittel wie Mehl, Zucker, Kaffee, Reis, Nudeln und Drogerieartikel werden hinzugekauft. AWO-Vorsitzende Carmen Watermeyer-Fels berichtete im Pfarrheim den Jugendlichen und PGR-Mitgliedern aus der Vereinstätigkeit und betonte die Notwendigkeit der Arbeit. “Zurzeit kommen regelmäßig bei der Ausgabe der Lebensmittel in Borgentreich rund 120 Bedürftige”, so Watermeyer-Fels. Die Zahl der Bedürftigen im Stadtgebiet sei jedoch um ein vielfaches höher und steige stetig an.

Aus diesem Grund entschlossen sich die Firmbewerber zu helfen: Sie gingen in Rösebeck von Tür zu Tür und sammelten Lebensmittel und Geldspenden für den Lebensmittelkorb. “Die Hilfsbereitschaft der Gemeinde war riesig und es konnte, neben zahlreichen Lebensmittel, die großartige Summe von 500 Euro übergeben werden”, berichtet Gemeindereferentin Anna Mühlberger. Die Firmbewerber, die die Unterstützung der Rösebecker Landjugend hatten, waren begeistert, der ersten Vorsitzenden Carmen Watermeyer-Fels die großzügigen Spenden übergeben zu können. Watermeyer-Fels dankte für das Engagement und lud die Firmbewerber zur nächsten Ausgabe des Lebensmittelkorbes nach Borgentreich ein. Es sei ein gutes Gefühl, anderen Freude zu bereiten.

Selbstverteidigung: Arbeiterwohlfahrt bietet Einführung in Wen Do an

Neue Westfälische vom 08.03.2018

Kreis Höxter (nw). Die Frauenberatungsstelle und die Schwangerenberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sowie die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Höxter, Claudia Pelz-Weskamp, bieten anlässlich der Höxteraner Frauenaktionswochen am Dienstag, 13. März, von 18 und 20 Uhr einen “Wen Do”- Schnupperkursus für Frauen ab 18 Jahren an. Dieser findet in den Räumen des AWO Familienstützpunktes an der Gartenstraße 7 in Höxter statt.

Solche Situationen sind fast jeder Frau bekannt: Unangenehme Blicke, aufdringliche Anmache in Bus und Bahn, Angstorte auf dem Weg zur Arbeit durchqueren, Mobbing, frauenfeindliche Witze im Bekanntenkreis. Frauen erleben immer wieder Belästigungen, Angriffe und Bedrohungen. Was bleibt ist vielfach Hilflosigkeit, Ohnmacht oder Wut. Schlagfertige Antworten, Reaktionen, Aktionen fallen vielen Frauen erst im Nachhinein ein. Wen Do hat zum Ziel, Frauen stark und entschieden zu machen, um sich sofort wirkungsvoll vor Belästigungen und Angriffen zu schützen. Wen Do ist ein in den 1970er Jahren in Kanada speziell von Frauen für Frauen entwickeltes Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskonzept. Es wendet sich vor allem gegen (sexuelle) Gewalt und Diskriminierung jeglicher Art. Unter Anleitung der zertifizierten Trainerin Anita Hummel lernen die Teilnehmerinnen Nein zu sagen, ihre Grenzen und Möglichkeiten wahrzunehmen und bei entsprechender Bedrohung Abwehr-, Verteidigungs- und Befrei-ungstechniken einzusetzen. Alltägliche Belästigungs- und Übergriffsituationen werden nachvollzogen und individuelle Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Dabei steht die Gewaltvermeidung immer im Vordergrund.

Anmeldungen können erfolgen unter den Tel. (0160) 93 79 30 30 oder Tel. (0160) 93 79 30 35 oder per Mail frauenberatungsstelle@awo-hoexter.de, Kostenbeitrag: 5 Euro.