Die drei L’s des erfolgreichen Alterns

Westfalenblatt vom 13.05.2019 – Greta Wiedemeier

Beverungen (WB). Laufen, Lernen, Lachen – das sind laut Franz Müntefering die drei wichtigsten Punkte, um auch im Alter mobil und glücklich zu bleiben. Im Rahmen des Jubiläumsjahres »100 Jahre AWO« war der aktuelle Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) in der Beverunger Stadthalle zu Gast.

Demografischer Wandel verändert Strukturen

Mit seinen mittlerweile 79 Jahren zählt der ehemalige Vizekanzler selbst nicht mehr zur jungen Generation und sieht auch keinen Grund dazu, sich so zu fühlen: »Ich weiß, wann ich geboren bin. Weshalb soll ich so tun, als ob ich jünger wäre?« Der demografische Wandel verändere die gesellschaftlichen Strukturen sehr stark und werde auch in den kommenden Jahren für Probleme in verschiedensten Bereichen sorgen, nicht nur bei der Rente.

Sturzvorbeugung ist dringend nötig

»Bei Stürzen in Wohnungen kommen doppelt so viele Menschen um wie im Straßenverkehr, 80 Prozent davon sind über 80-Jährige«, weiß Müntefering mit konkreten Zahlen zu schockieren. Daher seien die Sturzprophylaxe und die Prävention im Gesundheitswesen nur zwei der Themen, die am dringendsten angegangen werden müssten: durch breitere Badezimmertüren, durch die auch der Rollator passt, seniorengerechte Duschen, damit man sich nicht in die Badewanne quälen muss, oder durch mehr Hausärzte, die auch genau dort eingesetzt werden, wo man sie am nötigsten braucht.

Bewegung in Gruppen tut gut

»Unsere Vorfahren mussten ihr Essen noch selber jagen. Wir fahren heute schnell zum Rewe um die Ecke«, demonstrierte Müntefering, wie wichtig Bewegung ist. Eine gute Möglichkeit seien etwa Bewegungssportgruppen für Senioren oder der Versuch, jährlich das Sportabzeichen abzulegen. Dabei könne man nämlich zeitgleich die Einsamkeit bekämpfen, die viele Senioren überkommt.

Auf Rädern zum Essen

Wer über genügend stabile soziale Kontakte verfüge, müsse auch nicht ins Heim, das heutzutage häufig schon eher einem »Hospiz light« gleiche. Besser als das weitverbreitete Essen auf Rädern sei dafür eine Möglichkeit, »Auf Rädern zum Essen« zu kommen – an einen gemeinsamen öffentlichen Ort, an welchem ein regelmäßiger sozialer Austausch stattfinden kann.

Lernen nicht vernachlässigen

Das »Lernen und Lehren« sollte man auch im Alter nicht vernachlässigen. »Wenn man ein Motiv zum Lernen hat, funktioniert das umso schneller«, erklärt Müntefering und demonstriert den Zuhörern dies augenzwinkernd am Beispiel eines 80-Jährigen, der sich in eine 30-jährige Chinesin verliebt und plötzlich durchaus in der Lage ist, innerhalb eines halben Jahres die Grundlagen der komplizierten Sprache zu erlernen. Wichtig sei, sich stets die eigene Neugier auf Neues zu erhalten.

Zusammenspiel der Generationen

Die Interessen der Älterwerdenden nicht vergessen, ohne dass das zu Lasten der jüngeren Generationen geht: Das Zusammenspiel der Generationen und ein gegenseitiges Aufeinander-Achtgeben sind ihm ein enorm wichtiges Anliegen.

»Die 74 Jahre Frieden, die wir jetzt haben, haben etwas mit Europa zu tun! Es ist Blödsinn, wenn jetzt wieder jeder seinen eigenen Brei auf nationaler Ebene kocht«, unterstreicht der Ehrengast abschließend die Wichtigkeit von Europa. Deutschland alleine werde in einigen Jahren nur noch 0,7 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen – also fast nichts. Die Bundesrepublik sei nicht aus eigener Kraft ein Wohlstandsland. Viele andere europäische und nicht-europäische Länder trügen auch einen großen Teil dazu bei, dass es uns so gut geht.

Jubiläumsjahr der Arbeiterwohlfahrt

Der Vortrag war nach dem Neujahrsempfang die zweite größere Veranstaltung im Rahmen des Jubiläumsjahres der Arbeiterwohlfahrt. Als nächstes wird im Juli ein großes Kinderfest im Mini-Club in Brakel geplant. Etwa 400 Mitglieder engagieren sich aktuell in den neun Ortsvereinen im Kreis Höxter. Zudem sind mehr als 200 hauptamtliche Mitarbeiter in den verschiedenen Einrichtungen und Diensten im Kreis Höxter beschäftigt.

Der einstige SPD-Vizekanzler gibt Tipps und mahnt

Neue Westfälische vom 13.05.2019 – Manuela Puls

Eine echte Politik-Größe hat in Beverungen vor etwa 50 Zuhörern über Seniorenfragen gesprochen. Die Arbeiterwohlfahrt im Kreis Höxter (AWO) hatte Franz Müntefering als Redner gewinnen können, denn sie feiert in diesem Jahr den 100. Geburtstag des SPD-Wohlfahrtsverbandes. Der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende, Bundesminister und Vize-Kanzler engagiert sich heute als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO).

Müntefering erinnerte kurz an die Gründung der AWO nach dem 1. Weltkrieg auf Vorschlag der Frauenrechtlerin Marie Juchacz, die eine der ersten weiblichen Abgeordneten im Reichstag war. „Helfen, dass anderen Menschen geholfen wird – das ist die großartige Idee, die dahintersteht”, sagte der 79-Jährige im Saal Bever der Stadthalle. Dann kam er zu seinem eigentlichen Thema – der wachsenden Bedeutung der Senioren. „Die Menschen leben heute länger, und das relativ gesund”, so Müntefering.

Fit halten gegen die Sturzgefahr

Eines der größten Risiken für ältere Menschen sei die Sturzgefahr. 8.800 schwere Stürze seien 2017 in Deutschland gezählt worden, meist waren dabei über 80-Jährige betroffen. „Dabei kommen doppelt so viele Menschen ums Leben wie im Straßenverkehr”, betonte der Sauerländer. Häufig würden Ältere nach einem Sturz bettlägerig und hätten es schwer, wieder auf die Beine zu kommen. Deswegen tue Prophylaxe not. „Man muss den Körper so fit wie möglich halten und Hindernisse in der Wohnung aus dem Weg räumen”, so Müntefering. Zu schmale Türen, durch die kein Rollator passt, Teppiche als Stolperfallen oder das „halsbrecherische” Klettern in die Badewanne nannte er als Beispiele.

Wie sich Senioren fit halten können, dafür hat Franz Müntefering ein einfaches Rezept: die drei „L” – Laufen, Lernen und Lachen. Mit Laufen meint der ehemalige Politiker Sport aller Art. Ausruhen sei für Senioren die falsche Devise. Es helfe wenig, sich in den Liegestuhl zu legen und Gesundheitspillen zu schlucken. Dann lasse auch die geistige Fitness schneller nach. „Die Bewegung der Beine ernährt das Gehirn”, erklärte Müntefering. Am besten sei es, gemeinsam mit anderen Senioren Sport zu treiben. Dabei entstünden Bekanntschaften, die wiederum ein gutes Mittel gegen Einsamkeit im Alter seien.

Körper und Geist fit halten

Ältere Menschen lebten schließlich immer häufiger allein. „Enge soziale Kontakte können einem das Heim ersparen”, brachte es Müntefering auf den Punkt. Deswegen hat er zum Beispiel die Initiative „Auf Rädern zum Essen” auf den Weg gebracht. „Lasst Euch das Essen nicht bringen, geht hin”, sagte Müntefering. So treffen sich bereits in 100 Städten in Deutschland Senioren zum gemeinsamen Mittagessen, statt allein zu Hause zu speisen.

Auch Lernen bleibe für Senioren wichtig. „Neugierig bleiben, offen für Neues sein, dann sind die Plaques im Gehirn überwindbar”, sagte Müntefering. Schließlich sei die Demenz ein großes Problem, das auf die Gesellschaft zukomme. Ebenso wie die Finanzierung der Renten. „Wir bekommen etwa doppelt solange Rente, wie es 1965 der Fall war”, so der Sauerländer. Und immer weniger Erwerbstätige müssten die wachsende Schar der Rentner unterhalten. Da müsse zunehmend der Staat einspringen. Deswegen plädiert Müntefering für eine stärkere Besteuerung von Vermögen oder Erbschaften. Darüber hinaus müssten Pflegekräfte besser bezahlt werden und sich endlich gewerkschaftlich organisieren.

 Information

Die Arbeiterwohlfahrt im Kreis Höxter

Im Kreis Höxter gibt es die Anfänge der Arbeiterwohlfahrt seit den 60er Jahren, als Verein ist die AWO seit den 80ern eingetragen. „Inzwischen sind wir in allen zehn Städten vertreten”, betont Kreisverbands-Vorstand Wolfgang Kuckuk. Der Verein habe im Kreis Höxter circa 400 Mitglieder und beschäftige über 200 hauptamtliche Mitarbeiter. Als Beispiele nennt er das Kleiderlager in Peckelsheim, die Seniorenpflege in Bad Driburg, die Frauenberatungsstelle und die Familien- und Jugendhilfe (Schulsozialarbeit und Hilfe zur Erziehung). Der 100. Geburtstag der AWO wurde bereits mit einem Neujahresempfang in Höxter begangen. Im Juli soll es in Brakel noch ein großes Kinderfest zum 20-Jährigen Bestehen des Miniclubs geben.

v.l.: Aljona Gottfried (Vorstand AWO-Kreisverband Höxter), Franz Müntefering, Wolfgang Kuckuk (Vorstand AWO-Kreisverband Höxter) Regina Crois (AWO-Ortsverein Beverungen)

Nicht nur Senioren*innen sind unserer Einladung zum Vortrag von Franz Müntefering in den Saal Bever in die Stadthalle Beverungen gefolgt. Der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Soziales und jetzige Vorsitzende der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen) hielt einen sehr ansprechenden und mit einer gesunden Portion Humor versehenden Vortrag über die Arbeit mit und für Senioren. Er unterstrich die Wichtigkeit von Netzwerken und eines aktiven Lebens – auch und gerade – im höheren Lebensalter.
Für alle, die noch nicht im Seniorenalter diesen Vortrag gehört haben, macht es Mut und Lust sich noch Perspektiven zu schaffen, für die Zeit nach dem aktiven Berufsleben.
Franz Müntefering selber ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, aktiv zu bleiben und es schade wäre, wenn so viel Potential und Wissen der älteren Generation nicht genutzt würden.
Eingerahmt hat er seinen Vortrag mit einem kurzen Überblick über die Anfänge der AWO, der er sich schon lange verbunden fühlt. Am Ende seines Vortrags war es ihm noch wichtig doch noch einmal kurz “politisch” zu werden: Er rief dazu auf zur Europawahl zu gehen und demokratisch zu wählen und nicht z. B. 74 Jahre Frieden in Europa als selbstverständlich anzusehen.

Präsidiumsvorsitzender Paul Arens begrüßte die Anwe-senden und hieß Herrn Müntefering herzlich willkommen.

Franz Müntefering und Wolfgang Kuckuk (Vorstand AWO-Kreisverband Höxter) schauen sich die Ausstellung zum 100jährigen Jubiläum der AWO an.

Die Arbeiterwohlfahrt wird in diesem Jahr 100 Jahre alt.

Nach dem 1. Weltkrieg, im Jahr 1919, als Hilfsorganisation für sozial bedürftige Menschen gegründet, ist die AWO  heute als Mitgliederverband in vielen Bereichen sozialer Arbeit aktiv. Inzwischen auch in allen Städten des Kreises Höxter.
Mit unterschiedlichen, öffentlichen Veranstaltungen will der AWO-Kreisverband Höxter im Jubiläumsjahr mit verschiedenen Angeboten nicht nur AWO-Mitglieder sondern auch sozialpolitisch Interessierte ansprechen.
Zu einer besonderen Veranstaltung wird am Freitag, den 10. Mai, der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Soziales  Franz Müntefering nach Beverungen kommen.
Franz Müntefering kommt in seiner ehrenamtlichen Funktion als Vorsitzender der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen) in den Kreis Höxter und wird über Möglichkeiten der Arbeit mit und für ältere Menschen sprechen.
Der AWO-Kreisverband Höxter lädt ganz herzlich zu dieser öffentlichen Veranstaltung ein, die um 18.00 Uhr in der Stadthalle Beverungen beginnt.

AWO sucht engagierte, junge Menschen

Die AWO im Kreis Höxter bietet ab dem Sommer 2018 in Bad Driburg, Borgentreich und Steinheim jungen Menschen wieder die Möglichkeit ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bzw. einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) zu absolvieren.
Die Freiwilligendienste beim AWO-Kreisverband Höxter können vor allen Dingen im pädagogischen Bereich geleistet werden. Die Einsatzbereiche richten sich nach den Interessen der jungen Menschen. Tätigkeitsbereiche sind z. B. vor allen Dingen die pädagogische Arbeit mit Schulkindern bzw. in Spielgruppen für Kinder.
Für die Tätigkeit wird ein monatliches Taschengeld gezahlt. Weitere Sachleistungen sind möglich. Für die Zeit des Freiwilligendienstes besteht eine Sozialversicherungspflicht. Zum FSJ und BFD gehört eine pädagogische Begleitung in Form von Seminaren, die der fachlichen Anleitung und der Persönlichkeitsfindung dienen sollen.
Die AWO sieht die Freiwilligendienste als gute Möglichkeit im pädagogischen Bereich sinnvolle soziale Erfahrungen zu sammeln.
Darüber hinaus stehen Plätze für Praktika im Zusammenhang mit verschiedenen Schulausbildungen (z. B. FOS, Erzieherinnen-Ausbildung) zur Verfügung.

Informationen gibt es beim Kreisverband der AWO in Bad Driburg, Tel. 05253 93 50 210

Bilanz: AWO-Beratungsstellen im Kreis Höxter stellen ihren Jahresbericht für 2017 vor.
In 20 Jahren ist das Team gewachsen, die Angebote noch stärker vernetzt

Neue Westfälische vom 27.04.2018
Von Silke Riethmüller

Bad Driburg. Im Oktober 1997 wurde die Beratungsstelle für Schwangerschaft, Partnerschaft und Sexualität der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gegründet. “Das war damals im Kreis Höxter schon etwas Besonderes, dass es eine solche Beratungsstelle gab”, erinnert sich Kreisgeschäftsführer Wolfgang Kuckuk. In den vergangenen 20 Jahren hat die AWO weitere Beratungsstellen dazubekommen, das Team ist gewachsen, Synergieeffekte sind entstanden, die einzelnen Angebote wurden miteinander vernetzt. “Wir können also inzwischen auf einige Erfahrungen verweisen”, betont Kuckuk.

Im Jahr 2017 führten die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle für Schwangerschaft, Partnerschaft und Sexualität 1.345 Beratungsgespräche. Die Zahl der Ratsuchenden ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Insgesamt hätten 446 Personen (2016: 460) die Hilfe der AWO-Beratungsstellen in Anspruch genommen. Die meisten davon waren Frauen, 26 Ratsuchende waren männlich. 293 waren Deutsche, davon hatten 63 einen Migrationshintergrund. 151 Ratsuchende besaßen eine andere Staatsangehörigkeit.

In der Konfliktberatung wurden 58 Gespräche mit 53 Frauen geführt. Der größte Anteil sei zwischen 27 und 34 Jahren alt gewesen, gefolgt von der Altersgruppe der 22 bis 26-Jährigen. Zwei Klientinnen waren zum Zeitpunkt der Beratung noch minderjährig. Im Vergleich zu 2016 (60 Frauen/64 Beratungsgespräche) war die Schwangerschaftskonfliktberatung im vergangenen Jahr leicht rückläufig. “Als Hauptgründe für einen Schwangerschaftsabbruch wurden von den Frauen eine schwierige körperliche oder psychische Verfassung genannt, gefolgt von einer finanziell sehr schwierigen Lebenssituation”, erklärt Beate Knievel-Boraucke vom Team der AWO-Beratungsstelle in Bad Driburg. Wirtschaftliche Armut spiele also weiterhin eine große Rolle bei der Entscheidung. “Sehr viele Frauen können von der guten wirtschaftlichen Lage in unserem Land nicht profitieren”, bedauert die Diplom-Sozialarbeiterin.

Die Gruppe der alleinerziehenden Mütter sei zudem deutlich größer geworden. Auch im Jahr 2017 sei die Bundesstiftung “Mutter und Kind” daher eine wichtige Hilfe für schwangere Frauen in einer Notsituation gewesen, 134 Schwangere erhielten eine finanzielle Unterstützung aus diesen Mitteln, darunter 33 Flüchtlingsfrauen. Seit November 2015 ist es für Schwangere in Erstaufnahmeeinrichtungen möglich, einen Antrag bei der Bundesstiftung zu stellen. “Auch schwangere Frauen, die in den zugewiesenen Städten ihr Asylverfahren abwarten, können eine finanzielle Unterstützung durch die Stiftung erhalten”, so Isabell Schröder. Die Erziehungswissenschaftlerin ist seit September 2016 mit im Team der Beratungsstelle und berät geflüchtete Frauen in Bad Driburg.

Die durchschnittliche Hilfe betrug 456 Euro. “Im Vergleich zu 2016 wurden im vergangenen Jahr 28 Anträge mehr gestellt”, sagt Diplom-Sozialpädagogin Silke Niggemann-Boffer. Dies zeige, dass immer mehr Schwangere über ein sehr geringes Einkommen verfügen. 42 Frauen erhielten über die AWO zudem Mittel aus dem Familienplanungsfond des Kreises Höxter als Zuschuss für ein Verhütungsmittel, wie Hormonspirale oder die Pille.

Neben der Vermittlung einer finanziellen Unterstützung benötigten aber auch immer mehr Eltern und Familien aufgrund gestiegener Belastungen effektive und längerfristige Begleitung in ihrer ganz speziellen Lebenssituation. “Die Problemlagen sind viel komplexer geworden”, betont Niggemann-Boffer.

Ein immer wichtiger werdendes Thema sei zudem Gewalt gegen Frauen. “Eine Schwangerschaft oder die Geburt eines Kindes können der Auslöser einer Gewaltspirale sein”, weiß Mareike Stöver von der AWO-Frauenberatungsstelle für den Kreis Höxter. Seit Januar 2017 verstärkt die examinierte Hebamme und Sozialpädagogin stundenweise das Team der Schwangerenberatungsstelle. “Es ist also wichtig, dass die Gesellschaft bei diesem Thema noch genauer hinsieht und hinhört”, unterstreicht Stöver.

“Die Teams in unseren Beratungsstellen leisten eine großartige Arbeit”, betont auch AWO-Kreisvorsitzender Paul Arens. Dafür gebühre ihnen ganz besonderer Dank und Anerkennung.

Sozialverband mit Herz und Profil

Rückblick: Vor 25 Jahren wurde der AWO-Kreisverband Höxter als eingetragener Verein gegründet.
Seither haben sich Angebote, Aufgaben und Herausforderungen gewandelt

Neue Westfälische vom 22.12.2017
Von Silke Riethmüller

Kreis Höxter. Ein Vierteljahrhundert besteht der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt nun im Kreis Höxter. Ein Grund, die vergangenen 25 Jahre Revue passieren zu lassen und zu schauen, was sich von den Anfängen bis heute entwickelt und verändert hat.

Bereits in den 1950er Jahren gab es vereinzelte Aktivitäten der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Kreis Höxter, bis Ende der 70er Jahre gestalteten die Ortsvereine zum Beispiel in Höxter und Beverungen die Angebote. “Erst ab den 1980er Jahren nahmen die AWO-Aktivitäten kreisweit so richtig Fahrt auf”, weiß Kreisgeschäftsführer Wolfgang Kuckuk. Im Januar 1982 schlossen sich die Ortsvereine Höxter, Beverungen, Brakel, Bad Driburg, Warburg, Lüchtringen und Steinheim zu einem Kreisverband zusammen, zunächst als Gliederung des damaligen AWO-Bezirksverbandes östliches Westfalen in Bielefeld. Zehn Jahre später gründete sich dann der AWO-Kreisverband als eingetragener Verein.

Die Geschäftsstelle befand sich damals (1992) noch an der Höxteraner Gartenstraße. Vorsitzender war Heinz Göhlmann, als Geschäftsführer fungierten Wilfried Brexel und später Detlef Stall. Zu den Angeboten des Kreisverbandes zählten Beratungsangebote (Sozial- und Seniorenberatung, Aussiedlerberatung), Ferienangebote und Kuren, Hausaufgabenbetreuungen – “zu der Zeit gab es noch keine Ganztagsschulen”, sagt Wolfgang Kuckuk – der Mobile Soziale Dienst, Arbeitslosenberatung und Arbeitslosenprojekte (bis 2003) sowie das Kleider- und Möbellager in Peckelsheim mit angeschlossener Werkstatt (bis 2004). “Die Einführung der Pflegeversicherung als eigenständiger Teil der Sozialversicherung hat ab 1995 einen Wandel in der Arbeit mit Senioren eingeleitet und diesen Bereich innerhalb des Kreisverbandes stark geprägt. Dadurch war die gesetzliche Basis für den Aufbau unseres Ambulanten Pflegedienstes gelegt”, betonen Kuckuk und Präsidiumsvorsitzender Paul Arens.

Mit dem Umzug der Geschäftsstelle nach Bad Driburg begann 1997 eine neue Zeitrechnung für die AWO im Kreis Höxter. “Das Haus an der Caspar-Heinrich-Straße wurde mit viel Eigenleistung eingerichtet”, erinnert sich Kuckuk. Hier sind unter anderem der Mobile Soziale Dienst sowie die Beratungsstelle für Schwangerschaft, Schwangerschaftskonflikte und Sexualität beheimatet.

Neben der Erweiterung des bestehenden Beratungsangebotes und dem Aufbau weiterer Standorte im Kreis, sind seit 1998 vor allem die Angebote in den Bereichen Jugendhilfe und Soziale Arbeit in den Schulen stark gewachsen. Die AWO engagiert sich aktuell an 23 Schulen kreisweit, zum Beispiel in der Nachmittagsbetreuung. “Dieser Bereich ist momentan der mit den meisten Mitarbeitern und auch der Bereich, der am schnellsten gewachsen ist in den vergangenen Jahren”, sagt Kuckuk.

»Sie alle sind stets mit viel Herzblut dabei«

Im Kreisgebiet gibt es inzwischen acht AWO-Ortsvereine, in denen sich rund 400 Mitglieder engagieren. In den Einrichtungen und Diensten der AWO sind kreisweit 235 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. “Wir sind ein moderner Sozialverband mit besonderem Profil. Mit ehrenamtlichem Engagement und professionellen Dienstleistungen setzt sich die AWO für eine sozial gerechtere Gesellschaft ein”, betont Kuckuk. Wie die Gesellschaft haben sich auch die Herausforderungen an die Sozialverbände in den vergangenen 25 Jahren gewandelt. “Vieles ist nicht immer planbar, die Dinge entwickeln sich”, so Kuckuk. Wichtigstes Merkmal der Entwicklung der AWO im Kreis Höxter sei sicher eine zunehmende Professionalisierung. “Neben der professionellen Arbeit, die unsere Mitarbeiter leisten, sind sie alle aber auch stets mit viel Herzblut dabei”, unterstreicht Paul Arens. Damals wie heute gelte das für alle, die sich innerhalb des Kreisverbandes engagieren – ob hauptamtlich oder in ihrer Freizeit.