Die drei L’s des erfolgreichen Alterns

Westfalenblatt vom 13.05.2019 – Greta Wiedemeier

Beverungen (WB). Laufen, Lernen, Lachen – das sind laut Franz Müntefering die drei wichtigsten Punkte, um auch im Alter mobil und glücklich zu bleiben. Im Rahmen des Jubiläumsjahres »100 Jahre AWO« war der aktuelle Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) in der Beverunger Stadthalle zu Gast.

Demografischer Wandel verändert Strukturen

Mit seinen mittlerweile 79 Jahren zählt der ehemalige Vizekanzler selbst nicht mehr zur jungen Generation und sieht auch keinen Grund dazu, sich so zu fühlen: »Ich weiß, wann ich geboren bin. Weshalb soll ich so tun, als ob ich jünger wäre?« Der demografische Wandel verändere die gesellschaftlichen Strukturen sehr stark und werde auch in den kommenden Jahren für Probleme in verschiedensten Bereichen sorgen, nicht nur bei der Rente.

Sturzvorbeugung ist dringend nötig

»Bei Stürzen in Wohnungen kommen doppelt so viele Menschen um wie im Straßenverkehr, 80 Prozent davon sind über 80-Jährige«, weiß Müntefering mit konkreten Zahlen zu schockieren. Daher seien die Sturzprophylaxe und die Prävention im Gesundheitswesen nur zwei der Themen, die am dringendsten angegangen werden müssten: durch breitere Badezimmertüren, durch die auch der Rollator passt, seniorengerechte Duschen, damit man sich nicht in die Badewanne quälen muss, oder durch mehr Hausärzte, die auch genau dort eingesetzt werden, wo man sie am nötigsten braucht.

Bewegung in Gruppen tut gut

»Unsere Vorfahren mussten ihr Essen noch selber jagen. Wir fahren heute schnell zum Rewe um die Ecke«, demonstrierte Müntefering, wie wichtig Bewegung ist. Eine gute Möglichkeit seien etwa Bewegungssportgruppen für Senioren oder der Versuch, jährlich das Sportabzeichen abzulegen. Dabei könne man nämlich zeitgleich die Einsamkeit bekämpfen, die viele Senioren überkommt.

Auf Rädern zum Essen

Wer über genügend stabile soziale Kontakte verfüge, müsse auch nicht ins Heim, das heutzutage häufig schon eher einem »Hospiz light« gleiche. Besser als das weitverbreitete Essen auf Rädern sei dafür eine Möglichkeit, »Auf Rädern zum Essen« zu kommen – an einen gemeinsamen öffentlichen Ort, an welchem ein regelmäßiger sozialer Austausch stattfinden kann.

Lernen nicht vernachlässigen

Das »Lernen und Lehren« sollte man auch im Alter nicht vernachlässigen. »Wenn man ein Motiv zum Lernen hat, funktioniert das umso schneller«, erklärt Müntefering und demonstriert den Zuhörern dies augenzwinkernd am Beispiel eines 80-Jährigen, der sich in eine 30-jährige Chinesin verliebt und plötzlich durchaus in der Lage ist, innerhalb eines halben Jahres die Grundlagen der komplizierten Sprache zu erlernen. Wichtig sei, sich stets die eigene Neugier auf Neues zu erhalten.

Zusammenspiel der Generationen

Die Interessen der Älterwerdenden nicht vergessen, ohne dass das zu Lasten der jüngeren Generationen geht: Das Zusammenspiel der Generationen und ein gegenseitiges Aufeinander-Achtgeben sind ihm ein enorm wichtiges Anliegen.

»Die 74 Jahre Frieden, die wir jetzt haben, haben etwas mit Europa zu tun! Es ist Blödsinn, wenn jetzt wieder jeder seinen eigenen Brei auf nationaler Ebene kocht«, unterstreicht der Ehrengast abschließend die Wichtigkeit von Europa. Deutschland alleine werde in einigen Jahren nur noch 0,7 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen – also fast nichts. Die Bundesrepublik sei nicht aus eigener Kraft ein Wohlstandsland. Viele andere europäische und nicht-europäische Länder trügen auch einen großen Teil dazu bei, dass es uns so gut geht.

Jubiläumsjahr der Arbeiterwohlfahrt

Der Vortrag war nach dem Neujahrsempfang die zweite größere Veranstaltung im Rahmen des Jubiläumsjahres der Arbeiterwohlfahrt. Als nächstes wird im Juli ein großes Kinderfest im Mini-Club in Brakel geplant. Etwa 400 Mitglieder engagieren sich aktuell in den neun Ortsvereinen im Kreis Höxter. Zudem sind mehr als 200 hauptamtliche Mitarbeiter in den verschiedenen Einrichtungen und Diensten im Kreis Höxter beschäftigt.

Der einstige SPD-Vizekanzler gibt Tipps und mahnt

Neue Westfälische vom 13.05.2019 – Manuela Puls

Eine echte Politik-Größe hat in Beverungen vor etwa 50 Zuhörern über Seniorenfragen gesprochen. Die Arbeiterwohlfahrt im Kreis Höxter (AWO) hatte Franz Müntefering als Redner gewinnen können, denn sie feiert in diesem Jahr den 100. Geburtstag des SPD-Wohlfahrtsverbandes. Der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende, Bundesminister und Vize-Kanzler engagiert sich heute als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO).

Müntefering erinnerte kurz an die Gründung der AWO nach dem 1. Weltkrieg auf Vorschlag der Frauenrechtlerin Marie Juchacz, die eine der ersten weiblichen Abgeordneten im Reichstag war. „Helfen, dass anderen Menschen geholfen wird – das ist die großartige Idee, die dahintersteht”, sagte der 79-Jährige im Saal Bever der Stadthalle. Dann kam er zu seinem eigentlichen Thema – der wachsenden Bedeutung der Senioren. „Die Menschen leben heute länger, und das relativ gesund”, so Müntefering.

Fit halten gegen die Sturzgefahr

Eines der größten Risiken für ältere Menschen sei die Sturzgefahr. 8.800 schwere Stürze seien 2017 in Deutschland gezählt worden, meist waren dabei über 80-Jährige betroffen. „Dabei kommen doppelt so viele Menschen ums Leben wie im Straßenverkehr”, betonte der Sauerländer. Häufig würden Ältere nach einem Sturz bettlägerig und hätten es schwer, wieder auf die Beine zu kommen. Deswegen tue Prophylaxe not. „Man muss den Körper so fit wie möglich halten und Hindernisse in der Wohnung aus dem Weg räumen”, so Müntefering. Zu schmale Türen, durch die kein Rollator passt, Teppiche als Stolperfallen oder das „halsbrecherische” Klettern in die Badewanne nannte er als Beispiele.

Wie sich Senioren fit halten können, dafür hat Franz Müntefering ein einfaches Rezept: die drei „L” – Laufen, Lernen und Lachen. Mit Laufen meint der ehemalige Politiker Sport aller Art. Ausruhen sei für Senioren die falsche Devise. Es helfe wenig, sich in den Liegestuhl zu legen und Gesundheitspillen zu schlucken. Dann lasse auch die geistige Fitness schneller nach. „Die Bewegung der Beine ernährt das Gehirn”, erklärte Müntefering. Am besten sei es, gemeinsam mit anderen Senioren Sport zu treiben. Dabei entstünden Bekanntschaften, die wiederum ein gutes Mittel gegen Einsamkeit im Alter seien.

Körper und Geist fit halten

Ältere Menschen lebten schließlich immer häufiger allein. „Enge soziale Kontakte können einem das Heim ersparen”, brachte es Müntefering auf den Punkt. Deswegen hat er zum Beispiel die Initiative „Auf Rädern zum Essen” auf den Weg gebracht. „Lasst Euch das Essen nicht bringen, geht hin”, sagte Müntefering. So treffen sich bereits in 100 Städten in Deutschland Senioren zum gemeinsamen Mittagessen, statt allein zu Hause zu speisen.

Auch Lernen bleibe für Senioren wichtig. „Neugierig bleiben, offen für Neues sein, dann sind die Plaques im Gehirn überwindbar”, sagte Müntefering. Schließlich sei die Demenz ein großes Problem, das auf die Gesellschaft zukomme. Ebenso wie die Finanzierung der Renten. „Wir bekommen etwa doppelt solange Rente, wie es 1965 der Fall war”, so der Sauerländer. Und immer weniger Erwerbstätige müssten die wachsende Schar der Rentner unterhalten. Da müsse zunehmend der Staat einspringen. Deswegen plädiert Müntefering für eine stärkere Besteuerung von Vermögen oder Erbschaften. Darüber hinaus müssten Pflegekräfte besser bezahlt werden und sich endlich gewerkschaftlich organisieren.

 Information

Die Arbeiterwohlfahrt im Kreis Höxter

Im Kreis Höxter gibt es die Anfänge der Arbeiterwohlfahrt seit den 60er Jahren, als Verein ist die AWO seit den 80ern eingetragen. „Inzwischen sind wir in allen zehn Städten vertreten”, betont Kreisverbands-Vorstand Wolfgang Kuckuk. Der Verein habe im Kreis Höxter circa 400 Mitglieder und beschäftige über 200 hauptamtliche Mitarbeiter. Als Beispiele nennt er das Kleiderlager in Peckelsheim, die Seniorenpflege in Bad Driburg, die Frauenberatungsstelle und die Familien- und Jugendhilfe (Schulsozialarbeit und Hilfe zur Erziehung). Der 100. Geburtstag der AWO wurde bereits mit einem Neujahresempfang in Höxter begangen. Im Juli soll es in Brakel noch ein großes Kinderfest zum 20-Jährigen Bestehen des Miniclubs geben.

Der ehemalige Minister für Arbeit und Soziales ruft zu zivilgesellschaftlichem Engagement auf und trägt sich in das Goldene Buch der Stadt Willebadessen ein. Seit 100 Jahren kämpft die Arbeiterwohlfahrt für Gerechtigkeit und Solidarität

Neue Westfälische vom 13.05.2019 – Hermann Ludwig

100 Jahre Arbeiterwohlfahrt (AWO) – dieses Jubiläum wird an vielen Orten gefeiert. Franz Müntefering, ehemaliger SPD-Bundesminister für Arbeit und Soziales, bezeugte seinen Respekt vor der Arbeit der AWO mit einem Besuch der Kleiderkammer in Pecksheim. Im Beisein des stellvertretenden Bürgermeisters Paul Arens, der auch Vorsitzender der AWO-Ortsvereins Peckelsheim ist, trug sich Müntefering in das Goldene Buch der Stadt ein.

Seit 100 Jahren kämpft die Arbeiterwohlfahrt für Gerechtigkeit und Solidarität. Den Einsatz für ein echtes Miteinander in der Gesellschaft, in der allen Bürgern und Bürgerinnen Chancen zur Teilhabe ermöglicht werden, rückte Franz Müntefering in seiner ehrenamtlichen Funktion als Vorsitzender der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen) in den Vordergrund. Nachdrücklich rief Müntefering zu zivilgesellschaftlichem Engagement auf, gerade auch im Alter.

Ein starkes Team: Paul Arens (l.) und Franz Müntefering lobten die engagierte Arbeit der Mitarbeiterinnen der Kleiderkammer. Waltraud Genau (v. l.), Maria Rose, Hildegard Ernst, Ursula Rudkoski, Margret Wannemacher, Anita Tewes und Andrea Ressel und weitere ehrenamtliche Helfer und Helferinnen betreuen das Angebot. Foto: Hermann Ludwig - © Hermann Ludwig
Ein starkes Team: Paul Arens (l.) und Franz Müntefering lobten die engagierte Arbeit der Mitarbeiterinnen der Kleiderkammer. Waltraud Genau (v. l.), Maria Rose, Hildegard Ernst, Ursula Rudkoski, Margret Wannemacher, Anita Tewes und Andrea Ressel und weitere ehrenamtliche Helfer und Helferinnen betreuen das Angebot. Foto: Hermann Ludwig | © Hermann Ludwig

„Die Potenziale des Alters müssen herausgefordert werden”, sagte der 79-Jährige. Ein Leben im Schaukelstuhl, das ist für den erfahrenen SPD-Politiker keine Alternative. Er will sich weiter einmischen, dazu ruft er auch alle Mitbürger auf, um die Gesellschaft sozial zu gestalten. „Die Älteren und die Alten müssen ihre Verantwortung tragen, haupt- und ehrenamtlich”, erklärte Müntefering. Soziale Freiwilligendienste seien eine tragende Säule einer humanen Gesellschaft. „Zeit ist die Währung im Alter”, so Müntefering und fordert dazu auf, einen Anteil dieser Zeit anderen Menschen zu widmen. Allein das Zuhören sei schon wichtig, um Menschen aus der Einsamkeit zu helfen. Dazu gebe es vielfältige Möglichkeiten in Vereinen, Initiativen oder auch in der direkten persönlichen Zuwendung. „Du kannst noch was, Du bist noch was”, dieses Gefühl müsse man Menschen im Alter vermitteln, betonte Müntefering.

Gerade angesichts der wachsenden Zahl älterer Menschen sei es an der Zeit, sich zu engagieren. Wie bereichernd diese Arbeit sein kann, darüber informierte sich Franz Müntefering direkt bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der AWO-Kleiderkammer. Bei einem Rundgang mit der Leiterin Maria Rose zeigte sich Müntefering zutiefst beeindruckt von dem Engagement der AWO-Mitarbeiter. „Das ist eine tolle Arbeit”, sagte Müntefering und hat dabei ein offenes Ohr für die Anliegen der Helferinnen. „Unser größtes Problem ist der Müll. Immer wieder laden Menschen Kleidermüll und auch anderen Müll vor der Tür der Kleiderkammer ab, das kostet unglaublich viel Kraft und auch Geld”, erklärte Maria Rose. „Wir müssen den Müll dann auf unsere Kosten entsorgen”, ärgerte sich auch Paul Arens.

“Familien sind und bleiben Zentren der sozialen Gesellschaft

Trotz dieses Ärgernis lässt sich das engagierte Team um Maria Rose nicht entmutigen. Es gebe ja auch immer wieder Kunden, die wirklich brauchbare Textilien abgeben. Unter Roses Federführung wuchs die Kleiderkammer mit 12.000 Artikeln zu einer der größten der Region. Seit 14 Jahren leitet sie die Kleiderkammer mit ihren 14 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die wöchentlich etwa 100 Säcke an Kleiderspenden sortieren, ausbessern, etikettieren und einräumen. Viele Stunden an ehrenamtlicher Arbeit kommen so zusammen. An manchen Tagen werden bis zu 100 Kunden versorgt. „Ich habe manchmal den Eindruck, dass gerade ein Bus ankommt”, meinte Paul Arens, der darauf verweist, dass immer noch Unterstützung benötigt wird.

Interessiert sondierte Franz Müntefering das vielfältige Angebot der Kleiderkammer. Dass selbst Sakkos, Krawatten und Hochzeitskleider im Angebot waren, nötigte ihm Respekt ab. Der Fußballfan blieb natürlich auch bei dem Schuhregal stehen, in dem eine Vielzahl brauchbarer Fußballschuhe zu finden waren. Erfreut registrierte er das umfangreiche Angebot für Kinder. „Die meisten Sachen für Kinder, auch das Spielzeug verschenken wir”, erklärte Maria Rose. Die Unterstützung von Familien ist auch Franz Müntefering wichtig. „Familien sind und bleiben Zentren der sozialen Gesellschaft, dafür müssen wir die Grundlagen schaffen”, resümierte Müntefering. Das biete auch ländlichen Regionen eine große Chance als Heimstatt für Familien mit bezahlbarem Wohnraum.

v.l.: Aljona Gottfried (Vorstand AWO-Kreisverband Höxter), Franz Müntefering, Wolfgang Kuckuk (Vorstand AWO-Kreisverband Höxter) Regina Crois (AWO-Ortsverein Beverungen)

Nicht nur Senioren*innen sind unserer Einladung zum Vortrag von Franz Müntefering in den Saal Bever in die Stadthalle Beverungen gefolgt. Der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Soziales und jetzige Vorsitzende der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen) hielt einen sehr ansprechenden und mit einer gesunden Portion Humor versehenden Vortrag über die Arbeit mit und für Senioren. Er unterstrich die Wichtigkeit von Netzwerken und eines aktiven Lebens – auch und gerade – im höheren Lebensalter.
Für alle, die noch nicht im Seniorenalter diesen Vortrag gehört haben, macht es Mut und Lust sich noch Perspektiven zu schaffen, für die Zeit nach dem aktiven Berufsleben.
Franz Müntefering selber ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, aktiv zu bleiben und es schade wäre, wenn so viel Potential und Wissen der älteren Generation nicht genutzt würden.
Eingerahmt hat er seinen Vortrag mit einem kurzen Überblick über die Anfänge der AWO, der er sich schon lange verbunden fühlt. Am Ende seines Vortrags war es ihm noch wichtig doch noch einmal kurz “politisch” zu werden: Er rief dazu auf zur Europawahl zu gehen und demokratisch zu wählen und nicht z. B. 74 Jahre Frieden in Europa als selbstverständlich anzusehen.

Präsidiumsvorsitzender Paul Arens begrüßte die Anwe-senden und hieß Herrn Müntefering herzlich willkommen.

Franz Müntefering und Wolfgang Kuckuk (Vorstand AWO-Kreisverband Höxter) schauen sich die Ausstellung zum 100jährigen Jubiläum der AWO an.

Die Arbeiterwohlfahrt wird in diesem Jahr 100 Jahre alt.

Nach dem 1. Weltkrieg, im Jahr 1919, als Hilfsorganisation für sozial bedürftige Menschen gegründet, ist die AWO  heute als Mitgliederverband in vielen Bereichen sozialer Arbeit aktiv. Inzwischen auch in allen Städten des Kreises Höxter.
Mit unterschiedlichen, öffentlichen Veranstaltungen will der AWO-Kreisverband Höxter im Jubiläumsjahr mit verschiedenen Angeboten nicht nur AWO-Mitglieder sondern auch sozialpolitisch Interessierte ansprechen.
Zu einer besonderen Veranstaltung wird am Freitag, den 10. Mai, der ehemalige Bundesminister für Arbeit und Soziales  Franz Müntefering nach Beverungen kommen.
Franz Müntefering kommt in seiner ehrenamtlichen Funktion als Vorsitzender der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen) in den Kreis Höxter und wird über Möglichkeiten der Arbeit mit und für ältere Menschen sprechen.
Der AWO-Kreisverband Höxter lädt ganz herzlich zu dieser öffentlichen Veranstaltung ein, die um 18.00 Uhr in der Stadthalle Beverungen beginnt.

Der AWO-Ortsverein Marienmünster lädt ALLE herzlich ein zum Osterbasteln.
Die Veranstaltung findet statt am Freitag, 05.04.2019, von 15.00 bis 17.30 Uhr im Haus des Gastes in der Niedernstr. 7 in Vörden.

Gerne können eigene Materialien, wie z. B. ausgepustete Eier etc., mitgebracht werden.

Die Organisatoren freuen sich auf einen kreativen Nachmittag.

Der AWO-Ortsverein Lüchtringen fährt am Mittwoch, 27. März, nach Isernhagen und besichtigt dort die Firma Adler Mode. Im Anschluss daran findet ein Kaffeetrinken statt. Anmeldungen sind bis zum 20. März bei Hedwig Grabo unter Telefon 05271 – 324 48 möglich. Auch Nicht-Mitglieder können an dieser Fahrt teilnehmen. Der Bus startet um 7.30 Uhr in Höxter an der Bushaltestelle Petri-Schule und um 8.00 Uhr an der Friedenseiche in Lüchtringen.

Mit dem Jahresbericht möchten die beiden Beraterinnen der Frauenberatungsstelle einen Einblick in ihre Arbeit geben, die Situation der gewaltbetroffenen Frauen, die Beratung und Unterstützung in Anspruch nahmen, darstellen und gleichzeitig die Arbeitsbereiche aufzeigen, die über ihre reine Beratungstätigkeit hinausgehen.  Das Ziel ihrer Arbeit besteht darin, die Handlungsmöglichkeiten der einzelnen ratsuchenden Frau zu erweitern und ihre Handlungssicherheit zu vergrößern – allgemein darum, effektiv die Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen und die Folgen für die Betroffenen zu minimieren.

Das Grundanliegen ist es, dass jede Frau selbstbestimmt und gewaltfrei ihr Leben führen können sollte. Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter und kommt in unzähligen Ausdrucksformen vor. Die Mitarbeiterinnen beraten zu den Themen „Häusliche Gewalt“, Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, Stalking und Zwangsheirat.

„Häusliche Gewalt“ bezeichnet dabei nicht nur körperliche Verletzungen, sondern auch psychische Gewalt mit Verletzungen der Seele, der Gesundheit und der Freiheit. Tritte, Schläge, aber auch Erniedrigungen, Kontaktverbote, bewusste Isolation, Kontrolle der Finanzen und Kontakte wie auch das Erzwingen von sexuellen Handlungen sind nur einige der Facetten der Gewalt.

Gewalt gegen Frauen ist kein Einzelschicksal und auch nicht nur ein Problem von bestimmten sozialen Randgruppen. Sie kann jede Frau treffen und wird verübt, unabhängig von Schichtzugehörigkeit, Nationalität, Alter, Religion, Bildung und Wohnort.

 

Zusammenfassend suchten im letzten Jahr 146 Frauen die Fachberatungsstelle auf, was einen Zuwachs an Klientinnen von etwa 20 % im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Mit den Ratsuchenden konnten zudem insgesamt 369 Einzelberatungen und Begleitungen durchgeführt werden. Die Zahlen verdeutlichen, dass das Beratungs- und Unterstützungsangebot unserer Frauenberatungsstelle im Kreis bekannter und die Gesellschaft sensibilisierter für diese Thematik geworden ist. Dementsprechend suchen vermehrt Frauen Rat und Unterstützung. Weiterhin bekräftigen diese Zahlen aber auch, wie hoch der Bedarf an adäquater Beratung für von gewaltbetroffenen Frauen im Kreis Höxter ist.

Am Samstag, 09.02.19, fand die diesjährige Klausurtagung des AWO-Kreisverbandes Höxter wieder in der Werner-Bock-Schule in Beverungen-Drenke – einem Bildungszentrum der IG Metall – statt.

Nach einer Begrüßung durch Paul Arens, Vorsitzender des Präsidiums, stellte sich die eingeladene Referentin Ellen Ehring persönlich vor und erläuterte die Inhalte und Ziele des Workshops “Potentiale entwickeln” unter dem Motto “Dem Lebenswerk vieler eine Zukunft geben”.

Neben dem spannenden Workshop gab es einen guten Austausch und das Gefühl dafür, wie bereichernd es sein kann, dass sich viele Menschen – auch bei der AWO – ehrenamtlich engagieren. Wolfgang Kuckuk, hauptamtlicher Vorstand und Geschäftsführer des Kreisverbandes Höxter, erläuterte den anwesenden Ortsvorständen die aktuelle Situation und Möglichkeiten, sie in ihrem Ehrenamt in der AWO zu unterstützen.

Kampagne: Ein kurzer Kinospot klärt Frauen im Kreis Höxter über die Möglichkeit einer anzeigenunabhängigen Spurensicherung auf

Neue Westfälische vom 14.01.2019
Von Burkhard Battran

Kreis Höxter. Wer in diesen Tagen ins Kino geht, wird dort einen kurzen Werbespot sehen. Eine junge Frau sitzt in der Badewanne und versucht, die Spuren einer Vergewaltigung abzuwaschen. Dann kommt die Gynäkologin Kerstin Todt, Oberärztin am Höxteraner St.-Ansgar-Krankenhaus, ins Bild und rät, die Spuren nicht zu beseitigen, sondern sie im Krankenhaus in Höxter sichern zu lassen.

Seit zwei Jahren gibt es dort die Möglichkeit der so genannten anzeigenunabhängigen Spurensicherung. “Sie gibt Frauen die Möglichkeit, ohne polizeilichen Druck und Anzeigenzwang Beweismittel sicher zu stellen”, erläutert Todt. Vergewaltigung ist ein Straftatsbestand und ein Offizialdelikt. Erhält die Polizei Kenntnis davon, ist sie verpflichtet, Ermittlungen aufzunehmen.

Daten des Opfers werden unter Verschluss gehalten

“Im Krankenhaus sichern wir die Spuren anonym, und die Daten des Opfers werden so lange unter Verschluss gehalten, bis sich die Frau zur Anzeige entschließt. Erst dann werden sie der Polizei zur Verfügung gestellt”, erläutert Frauenärztin Kerstin Todt. Wenn das Krankenhaus die Spuren aufgenommen hat, werden sie mit einem Nummerncode versehen und an die Gerichtsmedizin weitergeleitet. Die dazugehörigen Personendaten verbleiben im Krankenhaus, wo sie der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen, bis das Opfer sich zu einer Anzeige entschließt.

Drei Fälle hat das Krankenhaus in Höxter im vergangenen Jahr aufgenommen, von denen bislang noch keiner angezeigt wurde. Bis zu zehn Jahren hat ein Opfer Bedenkzeit. Erst dann gilt die Tat als verjährt und wird aus den Akten entfernt, die Asservate werden vernichtet. “Wir möchten schon dafür plädieren, die Entscheidung nicht so lange hinauszuzögern. Aber das heißt auch, dass wir den Frauen Hilfe anbieten, wie es weiter gehen kann. Dafür stehen wir den Opfern mit einem großen Netzwerk zur Seite”, betont Helga Niemöller, Leiterin des Frauen- und Kinderschutzhauses Kreis Höxter.

Jede 20. Frau wird vergewaltigt

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. “Jede zehnte Frau erlebt sexualisierte Gewalt, jede 20. Frau wurde schon einmal vergewaltigt”, weiß die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Höxter, Gaby Böker. 70 Prozent aller Fälle passieren im häuslichen Umfeld. Die Dunkelziffer ist hoch. “Nur 13 Prozent aller Fälle kommt überhaupt zur Anzeige”, sagt Böker. Genau in diese Grauzone soll der Kinospot Licht bringen. “Es geht darum, dass Frauen überhaupt erfahren, dass es die Möglichkeit der anonymen Spurensicherung gibt und dass sie im Freundeskreis darüber sprechen”, betont Marion Nawrath, Leiterin der AWO-Beratungsstelle des Kreises.

“Das ist ein wichtiges Thema. So ein Kinospot ist ein gutes Mittel, darauf aufmerksam zu machen”, sagt Kinobetreiberin Maria Dohmann (Kino Borgentreich). “Gerade auch die Zielgruppe jüngerer Frauen lässt sich durch eine Kinowerbung sehr gut erreichen”, erklärt auch Kinobetreiberin Judith Schlinker (Cineplex Warburg).

Infos und Ansprechpartner

Seit Montag läuft der Spot in der Filmwerbung der Kinos im Kreis Höxter in Brakel, Bad Driburg, Borgentreich und Warburg. Finanziert wurde der Spot aus Mitteln des Landesministeriums für Gleichstellung. Das gesamte Jahr soll der Spot gezeigt werden. Begleitend wurde eine Info-Broschüre erstellt, die ausführlich über das Verfahren der anonymen Spurensicherung aufklärt. Dort steht auch drin, dass die Spurensicherung kostenlos ist, dass falls KO-Tropfen im Spiel waren, ein Nachweis nur bis zu zwölf Stunden danach möglich ist.

Ausführliche Informationen zum Verfahren gibt es auch bei der Frauenberatungsstelle der AWO unter Tel. (0160) 93 79 30 30 oder 93 79 30 35, dem Frauenhaus des SkF unter Tel. (01 71) 5 43 01 55 oder der Caritas-Beratungsstelle unter Tel. (0 52 72) 37 14 60.