Kampagne: Ein kurzer Kinospot klärt Frauen im Kreis Höxter über die Möglichkeit einer anzeigenunabhängigen Spurensicherung auf

Neue Westfälische vom 14.01.2019
Von Burkhard Battran

Kreis Höxter. Wer in diesen Tagen ins Kino geht, wird dort einen kurzen Werbespot sehen. Eine junge Frau sitzt in der Badewanne und versucht, die Spuren einer Vergewaltigung abzuwaschen. Dann kommt die Gynäkologin Kerstin Todt, Oberärztin am Höxteraner St.-Ansgar-Krankenhaus, ins Bild und rät, die Spuren nicht zu beseitigen, sondern sie im Krankenhaus in Höxter sichern zu lassen.

Seit zwei Jahren gibt es dort die Möglichkeit der so genannten anzeigenunabhängigen Spurensicherung. “Sie gibt Frauen die Möglichkeit, ohne polizeilichen Druck und Anzeigenzwang Beweismittel sicher zu stellen”, erläutert Todt. Vergewaltigung ist ein Straftatsbestand und ein Offizialdelikt. Erhält die Polizei Kenntnis davon, ist sie verpflichtet, Ermittlungen aufzunehmen.

Daten des Opfers werden unter Verschluss gehalten

“Im Krankenhaus sichern wir die Spuren anonym, und die Daten des Opfers werden so lange unter Verschluss gehalten, bis sich die Frau zur Anzeige entschließt. Erst dann werden sie der Polizei zur Verfügung gestellt”, erläutert Frauenärztin Kerstin Todt. Wenn das Krankenhaus die Spuren aufgenommen hat, werden sie mit einem Nummerncode versehen und an die Gerichtsmedizin weitergeleitet. Die dazugehörigen Personendaten verbleiben im Krankenhaus, wo sie der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen, bis das Opfer sich zu einer Anzeige entschließt.

Drei Fälle hat das Krankenhaus in Höxter im vergangenen Jahr aufgenommen, von denen bislang noch keiner angezeigt wurde. Bis zu zehn Jahren hat ein Opfer Bedenkzeit. Erst dann gilt die Tat als verjährt und wird aus den Akten entfernt, die Asservate werden vernichtet. “Wir möchten schon dafür plädieren, die Entscheidung nicht so lange hinauszuzögern. Aber das heißt auch, dass wir den Frauen Hilfe anbieten, wie es weiter gehen kann. Dafür stehen wir den Opfern mit einem großen Netzwerk zur Seite”, betont Helga Niemöller, Leiterin des Frauen- und Kinderschutzhauses Kreis Höxter.

Jede 20. Frau wird vergewaltigt

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. “Jede zehnte Frau erlebt sexualisierte Gewalt, jede 20. Frau wurde schon einmal vergewaltigt”, weiß die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Höxter, Gaby Böker. 70 Prozent aller Fälle passieren im häuslichen Umfeld. Die Dunkelziffer ist hoch. “Nur 13 Prozent aller Fälle kommt überhaupt zur Anzeige”, sagt Böker. Genau in diese Grauzone soll der Kinospot Licht bringen. “Es geht darum, dass Frauen überhaupt erfahren, dass es die Möglichkeit der anonymen Spurensicherung gibt und dass sie im Freundeskreis darüber sprechen”, betont Marion Nawrath, Leiterin der AWO-Beratungsstelle des Kreises.

“Das ist ein wichtiges Thema. So ein Kinospot ist ein gutes Mittel, darauf aufmerksam zu machen”, sagt Kinobetreiberin Maria Dohmann (Kino Borgentreich). “Gerade auch die Zielgruppe jüngerer Frauen lässt sich durch eine Kinowerbung sehr gut erreichen”, erklärt auch Kinobetreiberin Judith Schlinker (Cineplex Warburg).

Infos und Ansprechpartner

Seit Montag läuft der Spot in der Filmwerbung der Kinos im Kreis Höxter in Brakel, Bad Driburg, Borgentreich und Warburg. Finanziert wurde der Spot aus Mitteln des Landesministeriums für Gleichstellung. Das gesamte Jahr soll der Spot gezeigt werden. Begleitend wurde eine Info-Broschüre erstellt, die ausführlich über das Verfahren der anonymen Spurensicherung aufklärt. Dort steht auch drin, dass die Spurensicherung kostenlos ist, dass falls KO-Tropfen im Spiel waren, ein Nachweis nur bis zu zwölf Stunden danach möglich ist.

Ausführliche Informationen zum Verfahren gibt es auch bei der Frauenberatungsstelle der AWO unter Tel. (0160) 93 79 30 30 oder 93 79 30 35, dem Frauenhaus des SkF unter Tel. (01 71) 5 43 01 55 oder der Caritas-Beratungsstelle unter Tel. (0 52 72) 37 14 60.

Jubiläum: Neujahrsempfang der Arbeiterwohlfahrt im Historischen Rathaus in Höxter mit vielen Ehrengästen

Neue Westfälische vom 14.01.2019

Von Thomas Kube

Höxter. 100 Jahre Menschlichkeit, Toleranz und Hilfe zur Selbsthilfe feierte der Kreisverband Höxter der Arbeiterwohlfahrt (AWO) mit einem Neujahrsempfang und mehr als 80 Gästen im Historischen Rathaus in Höxter. In diesem Jahr wird die AWO in Deutschland genau 100 Jahre alt.
Während der Feierstunde betonte Kreisdirektor Klaus Schumacher, dass die Wohlfahrtsverbände aus Deutschland nicht mehr wegzudenken seien. Die AWO sei neben anderen Organisationen einer der größten Vertreter dieser Verbände deutschlandweit. Sie biete allen Menschen Hilfe an, die sie benötigen, insbesondere aber für ältere Menschen, Familien und junge Menschen. Die zahlreichen ehrenamtlichen AWO-Mitarbeiter im Kreis Höxter legten eine besondere Motivation an den Tag, sagte Schumacher.
In der Stadt Marienmünster habe sich erst im November 2018 ein neuer Ortsverein gegründet. Die Mitgliederzahlen der Organisation würden zudem steigen, weiß der hauptamtlich tätige erste Vorsitzende Wolfgang Kuckuk vom AWO-Kreisverband Höxter zu berichten. Zu dem Neujahrsempfang, der erstmalig in dieser Form stattgefunden hat, begrüßte Kuckuk neben dem Kreisdirektor die Bürgermeister des Kreises Höxter, die Vertreter aller Parteien sowie die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter der AWO sowie anderer Wohlfahrtsorganisationen.
Als Sprecher der Bürgermeister im Kreis Höxter dankte Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln der AWO auch im Namen seiner Kollegen. Das Wirken der AWO kennzeichne ein hohes Maß Mitmenschlichkeit und Empathie. 100 Jahre leiste sie nun schon Hilfe zur Selbsthilfe von Menschen für Menschen. “Viele Bürger im Kreis Höxter haben davon in den vergangenen Jahren profitiert. Viele haben einen der Betreuungsdienste in Anspruch genommen, sei es die Kita oder die häusliche Pflege. Viele haben auch eine Beratungsstelle aufgesucht oder das Kur- und Erholungsangebot genutzt”, sagte Stickeln. Nach seiner Rede überreichte Stickeln eine Geldspende für die Sozialarbeit, die er an den Kreisvorsitzenden Wolfgang Kuckuk und den Vorsitzenden des Präsidiums, Paul Arens, übergab.

Als Hilfsorganisation für sozial bedürftige Menschen gegründet

Thorsten Klute vom AWO-Bezirksverband Ostwestfalen ließ die Geschichte der Arbeiterwohlfahrt Revue passieren. Im Dezember 1919 wurde die Arbeiterwohlfahrt nach dem Ersten Weltkrieg als Hilfsorganisation für sozial bedürftige Menschen gegründet. Seit dieser Zeit habe die Organisation den Diktaturen getrotzt. im Dritten Reich und in der DDR war sie für viele Jahre sogar verboten, berichtete Klute. Nach diesen diktatorischen Systemen gab es immer wieder einen Neuanfang. Geprägt sei die AWO aber vor allem durch starke Frauen, die nach den Weltkriegen tragende Rollen übernommen hätten.
Die Geschichte der AWO konnte in einer kleinen Stellwand-Ausstellung im Ratssaal nachgelesen werden. Die Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität würden aber auch noch heute die AWO auszeichnen. Der AWO-Kreisvorsitzende Kuckuk warb auch für neue Mitglieder. In der AWO würden sich Menschen engagieren, um anderen Menschen zu helfen und die Zukunft sozial zu gestalten. Die Arbeiterwohlfahrt biete allen Hilfe an, die sie benötigen, und unterstütze sie dabei, ihr Leben eigenständig und verantwortlich zu gestalten.
Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung nutzten die Ortsverbände die Gelegenheit, sich gegenseitig auszutauschen und kennenzulernen – zu musikalischer Unterhaltung von Toni Kaltenberg aus Reelsen mit seiner Gitarre.

Große Feierstunde in Höxter mit Vertretern aller Städte – Stickeln lobt Engagement

Westfalen-Blatt vom 14.01.2019

Von Harald Iding

Höxter (WB). Es ist ein Mitgliederverband, der für eine sozial gerechte Gesellschaft kämpft und politisch Einfluss nimmt. Gerade das ehrenamtliche Engagement zeichnet die Arbeiterwohlfahrt aus , die ihr 100-jähriges Jubiläum feiern kann. Im Historischen Rathaus von Höxter hat der AWO-Kreisverband mit zahlreichen Gästen an diese Jubiläum erinnert.

Die AWO ist seit Jahrzehnten auch im Kreis Höxter eine starke Größe. Mehr als 400 Mitglieder bringen sich in neun Ortsverbänden ein (Bad Driburg, Beverungen, Borgentreich, Höxter, Lüchtringen, Marienmünster, Peckelsheim, Steinheim und Warburg). Der letzte Ortsverein wurde erst vor wenigen Wochen in Marienmünster gegründet. Mit zum leistungsstarken AWO-Team gehören noch die 220 hauptamtlichen Mitarbeiter in den verschiedenen Arbeitsfeldern.
Um so groß war die Freude für Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln, der als Sprecher der Bürgermeister im Kreis Höxter dem Vorstandsvorsitzenden des Kreisverbandes, Wolfgang Kuckuk, sowie dem Vorsitzenden des Präsidiums, Paul Arens, als Dank und Anerkennung im Namen aller Kommunen einen Scheck überreichte. Michael Stickeln: “Von Menschen für Menschen – so lautet das überaus prägende Motto der Arbeiterwohlfahrt seit nunmehr 100 Jahren. Und genau danach haben stets die Menschen gehandelt, die sich in der und für die Arbeiterwohlfahrt engagierten und dies auch in unserer Zeit noch immer so zahlreich tun.”
Für dieses von einem hohen Maß an Mitmenschlichkeit und Empathie gekennzeichnete Wirken würden die Bürgermeister des Kreises allen Akteuren ihren Dank aussprechen. Die AWO sei jederzeit präsent und da, “wo das oft erwähnte “richtige” Leben in all seinen Facetten spielt und wo Beratung sowie Unterstützung gebraucht werden.” Sie werde aktiv, damit die Menschen ihr Leben besser meistern oder wieder in die eigenen Hände nehmen können. Stickeln: “Und damit ist sie das grundlegende Element der Wohlfahrtspflege unserer Städte und Gemeinden. Ihre haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erbringen seit Jahren Tag für Tag Leistungen, auf die wir als Kommunen nicht verzichten können – auf die wir als Kommunen auch nicht verzichten wollen.” Kreisdirektor Klaus Schumacher betonte, dass die Arbeiterwohlfahrt vom damaligen “Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt” der Sozialdemokraten zu einem der größten Sozialdienstleister Deutschlands geworden sei. Etwa 6500 Mitarbeiter beschäftige der Verband allein in OWL – in Kindergärten, Altenheimen und anderen Einrichtungen.
Schumacher: “Auch bei und im Kulturland Kreis Höxter könnten wir auf die Unterstützung durch den AWO-Kreisverband nicht mehr verzichten!” Mit einem breiten Spektrum an Angeboten unterstütze der Verband den Kreis Höxter zum Beispiel im Bereich der Jugendhilfe an verschiedenen Standorten – von der sozialpädagogischen Familienhilfe bis hin zu Tagesgruppen. Wie facettenreich das Aufgabenfeld der Arbeiterwohlfahrt ist, das macht auch die große Sonderausstellung “100 Jahre AWO” deutlich, die Wolfgang Kuckuk noch am Vorabend der Feier erstmalig in den Kreis Höxter holen konnte. Für den ehemaligen Bürgermeister von Versmold, Thorsten Klute, der heute im AWO-Bezirksvorstand Verantwortung trägt, sei die Seele der Arbeiterwohlfahrt das Ehrenamt. In seiner Laudation sagte er: “Wir müssen uns allen Generationen öffnen. In Bielefeld planen wir gerade die Gründung einer AWO Ü-45, um den Altersdurchschnitt zu senken. Er liegt hier oft bei durchschnittlich 70 Jahren.”

Unterstützung: Der Wohlfahrtsverband in Deutschland feiert 100. Geburtstag. Auch im Kreis Höxter hat sich die Arbeit zunehmend professionalisiert. Doch ohne ehrenamtliche Hilfe geht es nicht

Neue Westfälische vom 11.01.2019

Von David Schellenberg

Kreis Höxter/Bad Driburg. Das rote Herz trägt sie von Anfang an im Logo: die Arbeiterwohlfahrt (AWO). 100 Jahre wird der Wohlfahrtsverband in der Bundesrepublik alt. Er ist inzwischen ein fester Bestandteil der sozialen Hilfe, Betreuung und Begleitung, hat viele Tausend ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter.
Auch wenn der Höxteraner Kreisverband noch keine so lange Tradition hat, feiert er mit. Das Jubiläum ist für Präsidiumsvorsitzenden Paul Arens sowie die hauptamtlichen Vorstände Wolfgang Kuckuk und Aljona Gottfried ein willkommener Anlass, gemeinsam mit der Neuen Westfälischen zurück, aber auch vorauszublicken.
“Die AWO wird immer noch gebraucht, auch wenn sich ihr Aufgabenfeld verändert hat”, sagt Paul Arens, während Wolfgang Kuckuk an die Umstände der Gründung erinnert. 1919, kurz nach Ende des Weltkrieges, herrschte Hunger und Armut. Es war eine Frau, Marie Juchacz, auf deren Initiative die SPD den “Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt” gründete – die AWO. Nach dem Verbot in der Nazizeit wurde sie 1946 als politisch unabhängige Organisation neu gegründet.
Der sozialdemokratischen Tradition ist sich der Verband bewusst, weshalb sie die Arbeiter immer noch im Namen trägt. “Wir sind aber natürlich für alle da, und das wissen die Menschen”, sagt Kuckuk. Die ersten Aktivitäten der AWO gehen im Kreis Höxter bis in die 50er Jahre zurück, vor allem die Ortsvereine Beverungen und Höxter gestalteten erste Angebote. Erst im Januar 1982 schlossen sich die mittlerweile sieben Ortsvereine im Kreis zu einem Kreisverband zusammen – übrigens der letzte in OWL. Die AWO ist zugleich ein Mitgliederverband und ein soziales Unternehmen.
Bis heute hat sich die Arbeit sehr verändert, betont Kuckuk und erinnert daran, dass es anfangs beispielsweise eine intensive Hausaufgabenbetreuung in Steinheim gab. Das spielt heute in Zeiten der Ganztagsschule keine Rolle mehr. Auch bei Arbeitslosenprojekten mit Menschen in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen engagierte sich der Kreisverband. “Wir hatten in Peckelsheim eine Werkstatt mit Kleider- und Möbellager, in der Menschen an die Arbeit herangeführt wurden”, erzählt Kuckuk. Das Projekt wurde 2004 eingestellt, ein Jahr zuvor die Arbeitslosenberatung.

Dafür kam bereits 1995 ein wichtiges Standbein neben der Schwangerschaftskonfliktberatung mit Einführung der Pflegeversicherung hinzu: der mobile AWO-Pflegedienst. Er ist inzwischen ebenso stark gewachsen wie die Schulsozialberatung, die Angebote der Jugendhilfe und die Beratungsangebote. In Bad Driburg gibt es zudem eine Kindertagesgruppe. Von Höxter in die Badestadt wurde 1997 auch der Hauptsitz verlegt.
All ihre Aufgaben kann die AWO nur mit einem sehr großen Team  an haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitgliedern leisten (siehe Kasten). Sie sind es auch, die die AWO tragen und das Konzept der fünf “Bs” umsetzen:

Begegnung, Begleitung, Betreuung, Bildung und Beratung. “Der Mensch und nicht das Geldverdienen steht bei uns im Mittelpunkt”, unterstreicht Kuckuk.
Auch wenn die Professionalisierung der Arbeit ein wichtiger Aspekt der Entwicklung in den vergangenen Jahren war, gelte weiterhin: “Wir bieten allen Menschen Hilfe an, die sie benötigen. Wir unterstützen Menschen, ihr Leben eigenständig und verantwortlich zu gestalten. Die Werte Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit bestimmen unser Handeln”, so Kuckuk. All das drückt das Herz im Logo der AWO aus.
Deshalb seien Wohlfahrtsverbände wie die AWO auch nach 100 Jahren noch genau so wichtig wie einst. “Es gibt Bereiche, zum Beispiel die Beratungsangebote, mit denen sich kein Geld verdienen lässt”, erinnert der Geschäftsführer. Sie seien aber dringend notwendig – auch in ihrer Vielfalt. Denn nicht alle Menschen wollen sich einer kirchlichen Beratung anvertrauen, weshalb die AWO beispielsweise eine Schwangerschaftskonfliktberatung anbietet. Auch regionale Flüchtlingsberatung gehört seit dem Flüchtlingsboom 2015 dazu. Generell würden sich die Wohlfahrtsverbände im Kreis Höxter bei ihren Angeboten jedoch abstimmen.
Wie sich die AWO künftig entwickeln wird? Es sei schwer vorherzusagen und hänge auch von den Notwendigkeiten ab, sagt Kuckuk. Er rechnet aber fest damit, dass vor allem im Bereich der Senioren- und Pflegearbeit sowie in der Unterstützung von Familien der gesellschaftliche Bedarf deutlich wachsen wird.
Einen Schwerpunkt will der Kreisverband in diesem Jahr vor allem im Bereich des ehrenamtlichen Engagements setzen. Dazu wird bereits im Februar ein Workshop geplant. Hier geht es um die Betreuung und Gewinnung von Mitgliedern, aber auch die Entwicklung der Angebote. Denn auch die AWO-Ortsverbände leiden darunter, dass sich kaum junge Mitglieder zum Mitmachen bewegen lassen. Mit einer besonderen Ausnahme: In Marienmünster wurde erst im vergangenen Herbst ein neuer Ortsverband gegründet. Das stimmt die Verantwortlichen optimistisch.

Feierlichkeiten
Zum 100. Geburtstag der AWO Deutschland gibt es am Samstag, 12. Januar, einen Festakt mit Musik im Historischen Rathaus Höxter mit 60 geladenen Gästen. Im Sommer sind weitere öffentliche Jubiläumsveranstaltungen geplant, unter anderem ein Kinderfest.

Kreisverband in Zahlen
– Aktuell engagieren sich im AWO-Kreisverband Höxter rund 400 Mitglieder in neun Ortsverbänden.
– Der Altersdurchschnitt der Mitglieder liegt bei 66 Jahren, OWL-weit sogar bei 76 Jahren.
– Zudem werden in den verschiedenen Diensten und Einrichtungen rund 220 Mitarbeiter beschäftigt.
– Beispielsweise leistet die AWO an 23 Schulen im Kreis Schulsozialarbeit.                                        (das)

 

Jubiläumsauftakt am Samstag in Höxter

Westfalenblatt vom 11.01.2019

Von Isabell Waschkies

Höxter (WB). In den vergangenen 100 Jahren hat sich die Arbeiterwohlfahrt (AWO) deutschlandweit einen Namen gemacht. »Auch wenn wir im Kreis Höxter noch nicht ganz so alt sind, können wir trotzdem auf viele erfolgreiche und arbeitsreiche Jahre zurückblicken«, freut sich Kreisvorsitzender Wolfgang Kuckuk über den runden Geburtstag.

Der Auftakt des Jubiläumsjahres wird am Samstag, 12. Januar, von 11 Uhr an im Historischen Rathaus in Höxter veranstaltet. Vorgestellt werden soll die Entstehungsgeschichte und Entwicklung der AWO in Deutschland und im Kreis Höxter. »Außerdem möchten wir mit den Bürgermeistern aus dem Kreis, dem Landrat und Fraktionsvorsitzenden ins Gespräch kommen und mit ihnen über unsere Arbeit sprechen«, kündigt Kreisverbands-Chef Wolfgang Kuckuk an. Eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben der AWO sieht er beim Pflegedienst. »Auch wenn sich dieser Bereich insgesamt gut entwickelt hat, gibt es noch zu viele Menschen, die nicht vernünftig versorgt werden können. Dafür fehlen qualifizierte Kräfte«, so Kuckuk.

Geschichte im Kreis Höxter

Im Kreis Höxter nahmen die AWO-Aktivitäten erst ab den 1980er Jahren richtig Fahrt auf. Seit dem geben sie den Schwächeren aus dem Kreis eine Stimme. Bis Ende der 1970er Jahre gestalteten die Ortsvereine die Angebote. 1982 wurde mit den Ortsvereinen Höxter, Beverungen, Brakel, Bad Driburg, Warburg, Lüchtringen und Steinheim ein Kreisverband gegründet – und das als letzter Kreis in OWL, so Wolfgang Kuckuk. Seit 1992 ist die AWO ein eigenständiger Verein.

Zum Aufgabengebiet des Kreisverbands zählten schon damals verschiedene Beratungsangebote wie Sozial- und Seniorenberatung oder Aussiedlerberatung, Ferienangebote und Kuren, Hausaufgabenbetreuung, mobiler sozialer Dienst, Arbeitslosenberatung und Projekte sowie das Kleider- und Möbellager mit Werkstatt in Peckelsheim.

Meilenstein für den Verband

Für Wolfgang Kuckuk (seit 2016 im Amt) zählt das Jahr 1995 mit der Einführung der Pflegeversicherung zu einem der wichtigsten. »Für den Verband war das ein Meilenstein. Das war schließlich der Anlass dafür, den AWO-Pflegedienst zu gründen«, erinnert er sich zurück. Zwei Jahre später zog der AWO-Kreisverband von Höxter nach Bad Driburg um. Noch heute befindet sich die Geschäftsstelle an der Caspar-Heinrich-Straße 15. Im gleichen Jahr wurde die erste Schwangerschaftsberatung im Kreis Höxter gegründet. »Beratungen dieser Art wurden damals nicht als erforderlich eingestuft. Widerstand gab es vor allem von der Kirche«, beschreibt Kuckuk die damalige Problematik. 1998 folgte der Aufbau verschiedener Angebote der Jugendhilfe in Kooperation mit den Jugendämtern und sozialer Arbeit an mittlerweile 23 Schulen. Erweitert wurden auch die Frauen- und Flüchtlingsberatung.

Aktionen im Jubiläumsjahr

Für das Jubiläumsjahr plant die AWO schon jetzt einige Aktionen im gesamten Kreis Höxter. So soll es am 5. Juli ein großes Kinderfest im Mini-Club in Brakel geben, der zudem in diesem Jahr sein 20-jährige Bestehen feiert. Ebenfalls im Sommer möchte der Wohlfahrtsverband ein internationales Fest für und mit Flüchtlingen sowie Menschen mit Migrationshintergrund feiern. Ende August plant der Kreisverband eine Fahrt nach Dortmund, wo die Verbände gemeinsam den 100. Geburtstag zelebrieren möchten.

220 Mitarbeiter im Team

Im Kreis Höxter engagieren sich etwa 400 Mitglieder in den Ortsvereinen Bad Driburg, Beverungen, Borgentreich, Höxter, Lüchtringen, Marienmünster, Peckelsheim, Steinheim und Warburg. In den Einrichtungen und Diensten Kuckuks Angaben zufolge derzeit 220 Menschen beschäftigt.

Mit Kommentar von Isabell Waschkies

Die Arbeiterwohlfahrt ist ein moderner Sozialverband mit besonderem Profil. Mit Stolz kann der Verband auf 100 Jahre Einsatz für Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit zurückblicken. Der älteste Wohlfahrtsverband Deutschlands wird gebraucht, um den Menschen, die nicht alleine für sich eintreten können oder nicht gehört werden, eine Stimme zu geben. Die rund 400 Mitglieder in neun Ortsvereinen im Kreis Höxter leisten großartige Arbeit. Damit das auch in Zukunft so bleiben kann, benötigt es eine guten Infrastruktur von Kindertagesstätten über Beratungszentren bis hin zu Seniorenhäusern. Den Termin am Samstag in Höxter sollten sich alle Bürgermeister des Kreises, Fraktionsvorsitzende und der Landrat rot im Kalender markieren. Gemeinsam sollten sie dem Verband und den Mitgliedern ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringen.

 

Zur Weihnachtsfeier des AWO-Ortsverein Bad Driburg im „Braunen Hirschen“ bekamen die Senioren ganz besonderen Besuch. Zu Beginn des Nachmittages kamen Kinder aus dem Kindergarten Reelsen zu einer Aufführung vorbei. Sie hatten Lieder eingeübt und diese mit selbstgebastelten Teelichtgläsern in den Händen vorgetragen. Mit der dadurch entstehenden Stimmung ist es gelungen, sehr schön auf das bevorstehende Weihnachtsfest einzustimmen. Zum Schluss durften sich die Senioren Lieder wünschen und fehlen durfte natürlich nicht „O Tannenbaum“. Als die Kinder im Anschluss noch jedem Besucher ein selbstgebasteltes Licht schenkten, war die Begeisterung perfekt. Alle waren sich einig, dass dieser Auftritt nicht so schnell vergessen wird.

 

Wohlfahrtsverbände besuchen Zentrale Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge

Westfalenblatt vom 29./30.12.2018

Höxter/Borgentreich (WB). Die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Kreis Höxter hat die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes in Borgentreich besucht. Sie zeigt sich besorgt über mögliche Folgen der längeren Aufenthaltsdauer für Flüchtlinge in der Einrichtung.

In Gesprächen mit dem stellvertretenden Leiter der ZUE, Herbert Gehrendes, und Dirk Damm, Verfahrensberater der Diakonie Paderborn-Höxter in der ZUE, informierten sich die Vertreter der Wohlfahrtsverbände vor Ort über die Situation der dort lebenden geflüchteten Menschen.

Mit Sorge betrachten sie die Entwicklung, dass Menschen in den Unterbringungseinrichtungen zunehmend länger ausschließlich zum Warten gezwungen sind.

Hintergrund ist der Asylstufenplan der Landesregierung, wonach geflüchtete Menschen ohne Bleibeperspektive beziehungsweise aus sicheren Herkunftsländern bis zu 24 Monate in einer ZUE bleiben müssen, bis sie ausreisen oder abgeschoben werden.

Kaum Kontakt zur deutschen Bevölkerung

Nur Familien mit minderjährigen Kindern sollen ab dem vierten Aufenthaltsmonat Kommunen zugewiesen werden. Alle anderen Flüchtlinge sollen erst nach sechs Monaten (bisher drei) auf die Kommunen verteilt werden. »Vieles in der Umsetzung des Asylstufenplans ist völlig unklar«, betont Wolfgang Kuckuk, Vorstandsvorsitzender des Kreisverbandes Höxter der Arbeiterwohlfahrt.

So gebe es vor Ort Betreuungseinrichtungen für minderjährige Kinder. Die Menschen seien zwar versorgt, aber die erzwungene Untätigkeit und Perspektivlosigkeit fördere nicht die Integration. Sie würden nur das Warten erfahren und bekämen kaum Kontakt zur deutschen Bevölkerung, kritisieren die Wohlfahrtsverbände.

»Je länger das Warten dauert, desto schwieriger wird später die Integration«, ist Kreisgruppengeschäftsführerin Kathrin Jäger (Der Paritätische) überzeugt. Allein 40 Prozent der eingereichten Klagen vor Gerichten gegen mangelhafte Bescheide des Bundesamtes für Migration und Flucht seien erfolgreich. Dann würden erste Schritte der Integration, das Ankommen in der deutschen Gesellschaft und Sprachkenntnisse fehlen und müssten nachgeholt werden.

Menschen müssen lange warten

Aber nicht nur die Integration der Flüchtlinge werde durch die lange Aufenthaltsdauer in den Unterbringungseinrichtungen behindert. »Die Perspektivlosigkeit, die Isolation und der unstrukturierte Tagesablauf zermürben die Menschen und können sie auch krank machen«, sagt Christian Lange, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Höxter.

Das Konzept der Unterbringung sollte überprüft werden, fordern die Wohlfahrtsverbände im Kreis Höxter. »Es ist nicht menschenwürdig, dass die Geflüchteten dazu gezwungen sind, bis zu zwei Jahre nur zu warten«, erklärt Thomas Rudolphi, Vorstand des Caritasverbandes. Ihnen werde dadurch die Möglichkeit genommen, ihre Rechte wahrzunehmen und für sich selbst zu sorgen.

Darüber hinaus fordert die Arbeitsgemeinschaft, dass alle Maßnahmen unternommen werden, um die Integration von Anfang an zu fördern. »Wir brauchen einen Plan für die Integration, der allen in Deutschland lebenden Menschen Teilhabe ermöglicht«, unterstreicht Jutta Vormberg, Vorstand der Diakonie.

»Integration beginnt am ersten Tag.«

»Integration beginnt am ersten Tag«, sind die Vertreter der Wohlfahrtsverbände überzeugt. Deshalb sollte die Landesregierung den Kommunen mehr Mittel für die Integration zur Verfügung stellen, und geflüchtete Menschen müssten wie bisher nach drei Monaten Kommunen zugewiesen werden.

Zurzeit sind in der ZUE nach Angaben der Wohlfahrtsverbände 230 Menschen untergebracht, unter anderem aus der Türkei, dem Iran und Syrien. 44 sind unter 18 Jahre alt. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt aktuell vier Monate.

Von den zwölf Ehrenamtlichen in der ZUE engagiert sich jeder vier bis acht Stunden wöchentlich, etwa in der Kleiderkammer, bei Sprachkursen und in der Kinderbetreuung.