Arbeiterwohlfahrt im Kreis Höxter legt Jahresbericht vor – Partner lassen ungewollt Schwangere häufig im Stich

Beratungsbedarf bleibt hoch

Westfalenblatt vom 26.05.2020

Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt hat eine Bilanz seiner Arbeit des vergangenen Jahres gezogen. „Betrachtet man das vergangene Jahr im Vergleich zu 2018, lässt sich feststellen, dass die Beratungszahlen sowohl in der allgemeinen Schwangerschaftsberatung als auch in der Konfliktberatung gleichbleibend hoch sind“, heißt es darin.

2018 suchten 426 Personen bei der Arbeiterwohlfahrt Rat, 2019 waren es 430. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 1402 Beratungsgespräche geführt. „Das sind im Schnitt drei Gespräche pro Klientin“, sagt AWO-Geschäftsführer Wolfgang Kuckuk.

Die meisten Frauen und Familien suchten die Beratungsstelle nach wie vor aufgrund einer Schwangerschaft und der sich damit veränderten Lebenssituation auf. Aber auch die Zeit nach der Geburt eines Kindes brachte für viele den Impuls, sich bei der AWO zu melden. „Viele Familien befinden sich in finanziell sehr angespannten Lebenssituationen, die sich durch die Geburt eines Kindes oftmals noch verschärfen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes, der Beratungsstellen in Höxter, Bad Driburg, Steinheim und Beverungen unterhält.

Frauen allein bei Beratungen

Im Bereich der Konfliktberatung sei auffallend, dass die meisten Frauen diese Beratung nach wie vor allein wahrnehmen. „Dies zeigt, dass bei dem größten Anteil der Frauen, die sich in dieser Notlage befinden, die Unterstützung des Partners nicht gegeben ist“, resümieren die Berater. Insgesamt wurden im Jahr 2019 mit 63 Frauen 69 Konfliktberatungen geführt, im Jahr zuvor waren es 66 Gespräche für 61 Frauen.

Besondere Anerkennung und Dank möchte die AWO dem Kreis Höxter aussprechen: Der seit 2010 bestehende Familienplanungsfonds wurde im Jahr 2019 vom Kreis von 8000 Euro auf 12.000 Euro erhöht. Von dieser Summe erhält die AWO 6000 Euro. „Mit Hilfe dieser Unterstützung konnten wir 40 Frauen, die nur über ein geringes Einkommen verfügen, einen Zuschuss zur besseren Finanzierung ihres Verhütungsmittels gewähren“, berichtet Kuckuk. „Wir danken auch dem Frauennetzwerk Zonta, welches uns 2019 ebenfalls eine großzügige Spende für den Familienplanungsfonds hat zukommen lassen.“

Die Nachfrage nach den Workshops „Körper, Liebe, Doktorspiele“ und „Kinder stärken – gegen sexuelle Gewalt an Kindern“ sei 2019 massiv gestiegen. Die Arbeiterwohlfahrt mit Sitz in Bad Driburg konnte viele Elternabende und Erzieher-Workshops anbieten. „Dies zeigt, dass diese Thematik auch aufgrund der großen medialen Präsenz bei Eltern und Fachkräften wieder stärker im Fokus steht“, sagt Kuckuk.

Doch auch wenn die Kleiderstube zukünftig wieder öffnet, können in den nächsten Monaten leider keine Kleidung oder andere Artikel angenommen werden. Das Lager ist voll.
Aussortierte Kleidungsstücke werden auch nicht mehr von der Verwertungsfirma abgeholt, sondern müssen kostenpflichtig von dem Ortsverein bei der Müllentsorgung abgegeben werden.
Paul Arens, Vorsitzender des AWO-Ortsverein Peckelsheim und Präsidiumsvorsitzender des AWO-Kreisverbandes Höxter, bittet darum, vor der AWO oder am Kleidercontainer keine Kleidung oder Müll abzulegen. “Die Kleiderstube ist keine Müllhalde.”

Allen, die mit ihren Spenden von guterhaltener Kleidung bis jetzt schon geholfen haben und für die Mithilfe der Ehrenamtlichen der Kleiderstube danken wir auf diesem Weg ganz herzlich!

Die aktuelle Zeit stellt uns alle vor eine große Herausforderung.
Seit Inkrafttreten der Beschränkungen in der Corona-Krise wächst das Risiko für Gewalt in Familien und Partnerschaften – die sozialen und räumlichen
Einschränkungen bedingen seelische Belastungen und verschärfen Konfliktpotenziale.
Umso wichtiger ist es, dass gerade jetzt Betroffenen und Hilfesuchenden aufgezeigt wird, was Handlungsmöglichkeiten gegen Gewaltsituationen sind und wo
sie Hilfsangebote und Informationen finden.

Gerne können Sie auch direkt Kontakt zu unseren Fachberaterinnen der Frauenberatungsstelle aufnehmen.

Tel.: 0160 – 937 930 30 oder 0160 – 937 930 35

E-Mail: frauenberatungsstelle(at)awo-hoexter.de

Die Lebensmittelausgabe im “Katharina-von-Bora-Haus” (evangelisches Gemeindehaus) findet wieder statt ab Freitag, 15. Mai 2020, 16.00 – 17.00 Uhr.

Allerdings wird sie bis auf weiteres in veränderter Form mit nur einigen beteiligten Helfern (anders als auf dem Foto zu sehen) stattfinden.

Wichtig ist, die Hygienevorschriften zu wahren und den nötigen Abstand einzuhalten. Daher werden die Lebensmittel in abholfähige Tüten gepackt und durchs Fenster ausgegeben.

Bitte halten Sie auch untereinander Abstand und tragen Sie einen Mund-Nasen-Schutz. Pro Familie sollte bitte möglichst nur eine Person zur Abholung kommen.

Gerade in dieser schwierigen Zeit sind wir für die Lebensmittelausgabe auf Spenden angewiesen. Bitte rufen Sie uns an, wenn Sie – insbesondere – haltbare Lebensmittel zur Verfügung stellen können.

Der AWO-Ortsverein Borgentreich freut sich natürlich auch über Geldspenden für dieses Projekt und ist erreichbar unter Tel. 05643 – 94 88 70.