Gesprächsbedarf steigt deutlich

Westfalenblatt vom 21.05.2019 – Angelina Zander

1713 Beratungsgespräche haben die Beratungsstellen für Schwangerschaft, Partnerschaft und Sexualität der AWO im Kreis Höxter 2018 verzeichnet – etwa 370 mehr als 2017. »Das sind im Schnitt vier Gespräche pro Klient«, sagt Sozialarbeiterin Beate Knievel-Boraucke bei der Vorstellung des Jahresberichtes. Die Zahl der Ratsuchenden sei mit 426 Menschen fast konstant geblieben.
Ein Beratungsgespräch beginnt ab einer Länge von 15 Minuten. »Alles andere sind Info-Kontakte«, so die Sozialarbeiterin. Ein Thema hat die Ratsuchenden im vergangenen Jahr besonders beschäftigt: »Die wirtschaftliche Armut von Familien zieht sich durch unsere ganze Arbeit. Es gibt viele, die am Wirtschaftswachstum nicht teilhaben«, sagt sie.
Gesprochen worden sei bei den Terminen daher vor allem über gesetzliche Hilfen. Auch rechtliche Frage zu Kindergeld, Mutterschutzgeld und Bafög sowie zu öffentlichen und privaten Hilfsfonds wurden beantwortet. Vielen Familien sei das Bildungs- und Teilhabegesetz kein Begriff, sagt Knievel-Boraucke. Sie fordert, dass die »Politik mehr machen soll als bisher«. Sie kritisiert, dass manche Berufsgruppen schlecht bezahlt werden und deshalb Arbeitslosengeld II bekommen, obwohl sie in Vollzeit arbeiten.

6000 Euro für Verhütungsmittel-Zuschuss für 2019

Frauen mit geringem Einkommen können von der AWO beim Kauf von Verhütungsmitteln unterstützt werden. Dieses Geld wird über den Familienplanungsfonds vom Kreis Höxter zur Verfügung gestellt. Mit 4000 Euro konnten 2018 nur 28 Frauen beim Kauf der Verhütungsmittel bezuschusst werden, berichtet Dipl. Sozialpädagogin Silke Niggemann-Boffer. Im Jahr 2017 seien es noch 43 Frauen gewesen.
Der Grund: Die Zahl der Langzeitverhütungsmittel hat zugenommen. Da diese teuer sind, sei die Zahl der Empfängerinnen zurückgegangen, führt sie aus. In diesem Jahr stünde der AWO ein Budget von 6000 Euro zur Verfügung. Für 2020 seien mit dem Verein Donum Vitae, mit dem sich die AWO das Geld teilt, 16.000 Euro beantragt worden, also 8000 pro Organisation.
Die Beratungsstellen der AWO informieren auch über das Thema Schwangerschaft. Dieses sei im Jahr 2018 der häufigste Erstanlass für ein Gespräch gewesen, erzählt Niggemann-Boffer. An zweiter Stelle sei ein Beratungsbedarf zu Themen festgestellt worden, die Eltern nach der Geburt eines Kindes beschäftigen, wie das Elterngeld. An dritter Stelle folgte die Verhütungsberatung, an vierter Stelle Partnerschaftsprobleme. An dieser Reihenfolge habe sich im Vergleich zum Jahr 2017 nichts geändert, sagt Niggemann-Boffer.

Sprachkurse für Flüchtlingsfrauen ein Erfolg

Seit zwei Jahren gibt es bei der AWO eine Schwangerschaftsberatung für Flüchtlingsfrauen. Darum kümmert sich Isabell Schröder als Migrations- und Flüchtlingsberaterin. »Immer mehr Frauen kommen selbst in die Beratung, auch alleine, um Sachen für die Familie zu erledigen und um frauenspezifische Themen zu besprechen«, sagt sie. »Gut angelaufen ist ein Sprachangebot. Einmal in der Woche treffen sich zwölf Frauen, um einfache Deutschkenntnisse zu lernen.«
Das neue Angebot richtet sich vor allem an Frauen ohne Kinderbetreuung. Zu einem Schwerpunktthema der Beratungen insgesamt habe sich die Bindung zum Kind entwickelt. Gerade bei jungen Frauen seien Unsicherheiten zu verzeichnen. Deshalb beschäftigt sich die AWO in diesem Jahr intensiv mit der Bindung. Im Juni startet die Veranstaltungsreihe »Abenteuer Eltern sein«, bei der die Bindung eine Rolle spielt.
Darüber hinaus bietet die AWO Workshops zur kindlichen Sexualerziehung in Kindergärten an. Diese sind laut Beate Knievel-Boraucke besonders gefragt. Dies führt sie auf den Missbrauchsfall in Lügde zurück. »Das Thema kommt wieder ins Blickfeld.« Auch die Frage, wie Kinder besser vor sexueller Gewalt geschützt werden können, werde behandelt.