Wohlfahrtsverbände besuchen Zentrale Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge

Westfalenblatt vom 29./30.12.2018

Höxter/Borgentreich (WB). Die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände im Kreis Höxter hat die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes in Borgentreich besucht. Sie zeigt sich besorgt über mögliche Folgen der längeren Aufenthaltsdauer für Flüchtlinge in der Einrichtung.

In Gesprächen mit dem stellvertretenden Leiter der ZUE, Herbert Gehrendes, und Dirk Damm, Verfahrensberater der Diakonie Paderborn-Höxter in der ZUE, informierten sich die Vertreter der Wohlfahrtsverbände vor Ort über die Situation der dort lebenden geflüchteten Menschen.

Mit Sorge betrachten sie die Entwicklung, dass Menschen in den Unterbringungseinrichtungen zunehmend länger ausschließlich zum Warten gezwungen sind.

Hintergrund ist der Asylstufenplan der Landesregierung, wonach geflüchtete Menschen ohne Bleibeperspektive beziehungsweise aus sicheren Herkunftsländern bis zu 24 Monate in einer ZUE bleiben müssen, bis sie ausreisen oder abgeschoben werden.

Kaum Kontakt zur deutschen Bevölkerung

Nur Familien mit minderjährigen Kindern sollen ab dem vierten Aufenthaltsmonat Kommunen zugewiesen werden. Alle anderen Flüchtlinge sollen erst nach sechs Monaten (bisher drei) auf die Kommunen verteilt werden. »Vieles in der Umsetzung des Asylstufenplans ist völlig unklar«, betont Wolfgang Kuckuk, Vorstandsvorsitzender des Kreisverbandes Höxter der Arbeiterwohlfahrt.

So gebe es vor Ort Betreuungseinrichtungen für minderjährige Kinder. Die Menschen seien zwar versorgt, aber die erzwungene Untätigkeit und Perspektivlosigkeit fördere nicht die Integration. Sie würden nur das Warten erfahren und bekämen kaum Kontakt zur deutschen Bevölkerung, kritisieren die Wohlfahrtsverbände.

»Je länger das Warten dauert, desto schwieriger wird später die Integration«, ist Kreisgruppengeschäftsführerin Kathrin Jäger (Der Paritätische) überzeugt. Allein 40 Prozent der eingereichten Klagen vor Gerichten gegen mangelhafte Bescheide des Bundesamtes für Migration und Flucht seien erfolgreich. Dann würden erste Schritte der Integration, das Ankommen in der deutschen Gesellschaft und Sprachkenntnisse fehlen und müssten nachgeholt werden.

Menschen müssen lange warten

Aber nicht nur die Integration der Flüchtlinge werde durch die lange Aufenthaltsdauer in den Unterbringungseinrichtungen behindert. »Die Perspektivlosigkeit, die Isolation und der unstrukturierte Tagesablauf zermürben die Menschen und können sie auch krank machen«, sagt Christian Lange, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Höxter.

Das Konzept der Unterbringung sollte überprüft werden, fordern die Wohlfahrtsverbände im Kreis Höxter. »Es ist nicht menschenwürdig, dass die Geflüchteten dazu gezwungen sind, bis zu zwei Jahre nur zu warten«, erklärt Thomas Rudolphi, Vorstand des Caritasverbandes. Ihnen werde dadurch die Möglichkeit genommen, ihre Rechte wahrzunehmen und für sich selbst zu sorgen.

Darüber hinaus fordert die Arbeitsgemeinschaft, dass alle Maßnahmen unternommen werden, um die Integration von Anfang an zu fördern. »Wir brauchen einen Plan für die Integration, der allen in Deutschland lebenden Menschen Teilhabe ermöglicht«, unterstreicht Jutta Vormberg, Vorstand der Diakonie.

»Integration beginnt am ersten Tag.«

»Integration beginnt am ersten Tag«, sind die Vertreter der Wohlfahrtsverbände überzeugt. Deshalb sollte die Landesregierung den Kommunen mehr Mittel für die Integration zur Verfügung stellen, und geflüchtete Menschen müssten wie bisher nach drei Monaten Kommunen zugewiesen werden.

Zurzeit sind in der ZUE nach Angaben der Wohlfahrtsverbände 230 Menschen untergebracht, unter anderem aus der Türkei, dem Iran und Syrien. 44 sind unter 18 Jahre alt. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt aktuell vier Monate.

Von den zwölf Ehrenamtlichen in der ZUE engagiert sich jeder vier bis acht Stunden wöchentlich, etwa in der Kleiderkammer, bei Sprachkursen und in der Kinderbetreuung.